Hohe Bewertungen alleine lösen keine Marktkorrekturen aus, machen den Markt jedoch anfälliger für Schocks, meint Shaan Raithatha, Senior Economist bei Vanguard Europe. Zwar sieht der Ökonom keine Blase wie in der Dotcom-Ära, aber eine Tendenz zu Übertreibungen.

Risiken am US-Aktienmarkt
Seit Jahren schon gelten US-Aktien als deutlich überbewertet, meint der Vanguard-Experte. Trotzdem eile der US-Aktienmarkt, vor allem dank der großen Technologiekonzerne, von Rekord zu Rekord. Anders als in der Dotcom-Ära vor mehr als 25 Jahren lasse sich am US-Aktienmarkt heute dennoch nicht zwingend von einer Blase sprechen, sagt er: "Die Technologieführer von heute erwirtschaften echte – und hohe – Gewinne, Faktoren wie Innovation, Produktivität, günstige Regulierung und solide Unternehmensbilanzen rechtfertigen die hohen Kurse zumindest teilweise." Trotzdem warnt er: Wenn große Hoffnungen die Bewertungen ins Exzessive treiben, überwiegen die Risiken oft das Gewinnpotenzial.

Andere Länder im Blick
Zugleich sieht er in anderen Ländern gute Aussichten: In Europa könnten höhere Verteidigungsausgaben oder neue politische Wachstumsimpulse Produktivität und Erträge steigern. Und in Japan könnten eine Normalisierung der Inflation, steigende Inlandsnachfrage und anhaltende Governance-Reformen denselben Effekt erzielen. In den Schwellenländern, insbesondere in China, sieht Raithatha Potenzial durch technologische Durchbrüche und positive politische Weichenstellungen, aber auch Risiken durch anhaltende strukturelle Schwächen und geopolitische Gefahren.

Globale Diversifizierung wichtiger denn je
Anlegern rät er, das Portfolio zu diversifizieren und langfristig etwas internationaler auszurichten. Bei Diversifizierung gehe es um mehr als nur Rendite: "In einer fragmentierten Welt streben einzelne Länder nach Autarkie, weshalb die Korrelation der Konjunkturzyklen abnimmt", so Raithatha: Zur Risikosteuerung werde globale Diversifizierung dadurch noch wichtiger. (jh)