Ein wichtiger Maßstab für die Bewertung von Immobilien ist die Relation von Kaufpreisen zu erzielbaren Mieten, und die hat sich kräftig verschoben: Der so genannte Vervielfältiger lag früher im Bundesdurchschnitt bei 17,5, nun liegt er bei 24, zeigt eine in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) veröffentlichte Studie der Postbank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). In manchen Städten ist der Wert demnach noch deutlich höher: In München liegt er bei 37,2, in Hamburg bei 36, in Frankfurt bei 33,5. Auf Sylt braucht man im Schnitt sogar 72 Jahreskaltmieten, bis man den Kaufpreis einer Immobilie wieder eingefahren hat. 

Immobilien sind also gemessen an den erzielbaren Mieten deutlich teurer geworden. Das allein mag noch nicht für eine Blase sprechen, zumal Experten das Phänomen mit den niedrigen Zinsen erklären – Immobilienbesitzer geben sich derzeit eben mit einer niedrigeren Rendite zufrieden, zitiert der FAZ-Artikel den Immobilien-Experten Reiner Braun, Geschäftsführer des Immobilien-Instituts Empirica. Dessen Institut hat einen sogenannten Blasenindex ermittelt, der allerdings weitere beunruhigende Anzeichen nennt. So habe sich auch das Verhältnis von Kaufpreisen und Einkommen verschoben: Die Immobilienpreise seien den Einkommen enteilt. Für 229 Landkreise zeigt der aktuelle Empirica-Blasenindex deshalb nun erhöhte Gefahren an, ebenso für neun von zwölf Großstädten. "Ob da etwas platzt, wissen wir aber erst an Weihnachten oder Ostern", zitiert die FAZ den Experten. 

Anzeichen für Blase nicht eindeutig
Es sprechen allerdings auch mehrere Faktoren gegen eine Blase, derzeit vor allem die Entwicklung der Immobilienpreise in den bisherigen Corona-Monaten. "Wenn es in Deutschland bereits eine Immobilienblase gäbe, hätte die Coronakrise sie zum Platzen gebracht", zitiert die FAZ den Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. "Aber tatsächlich sind die Immobilienpreise im zweiten Quartal gestiegen und nicht gefallen“. Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IdW) in Köln sehen das ähnlich: Die rege, aber nicht übertriebene Bautätigkeit spreche gegen eine Blase, ebenso gebe es keine exzessive Kreditvergabe. (fp)