Investoren sollten in den kommenden Jahren verstärkt in Rohstoffe investieren, da diese von geopolitischen und makroökonomischen Turbulenzen profitieren dürften. Das schreibt Michael Hartnett, Chef-Anlagestratege der Bank of America.

Aktien könnten im weiteren Verlauf der 2020er-Jahre von Rohstoffen als wichtigste Gewinner des "Anything but Bonds"-Trends abgelöst werden. Anleger suchten zunehmend Schutz vor Risiken, Inflation und einem schwächeren US-Dollar. Die expansive Fiskalpolitik spreche zudem gegen eine nachhaltige Erholung am Anleihemarkt. In den kommenden Jahren werde es "eher zu Bärenmarktrallys bei Staatsanleihen kommen, jedoch nicht zu einem nachhaltigen Bullenmarkt", so Hartnett

Geopolitik treibt Rohstoffnachfrage
Der Krieg im Nahen Osten und der Wettlauf um künstliche Intelligenz (KI) haben den Fokus auf Lieferketten verstärkt. Regierungen versuchen, die Auswirkungen steigender Preise für Energie und Rohstoffe zu begrenzen und gleichzeitig den Zugang zu kritischen Materialien wie seltenen Erden zu sichern. "Wer Chips, seltene Erden, Mineralien und Öl besitzt, gewinnt den KI-Wettlauf", so Hartnett.

Rohstoffe schlagen Aktien deutlich
Der "Bloomberg Commodity Index" ist seit Anfang 2025 um 35 Prozent gestiegen und hat damit mehr als doppelt so stark zugelegt wie der S&P 500 im gleichen Zeitraum. US-Staatsanleihen verzeichneten hingegen weniger als sieben Prozent Gewinn.

Vor allem Öl legte kräftig zu, nachdem Iran infolge des Kriegs die Straße von Hormus für den Großteil des Schiffsverkehrs geschlossen hatte. Auch Metalle wie Gold, Silber und Kupfer profitieren von Rückenwind durch Notenbankkäufe und den Ausbau von KI-Infrastruktur.

Verschiebung der Marktgewinner
In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts dürften laut Hartnett Rohstoffe gegenüber dem US-Dollar die grundlegenden Gewinner sein. Zudem könnten internationale und kleinere Aktien besser abschneiden als US-Titel und Large Caps. Geopolitik werde zunehmend vom "Bedarf, Rohstoffe zu monopolisieren" geprägt.

Kurzfristig setzt das BofA-Team auf Strategien, die von einer steileren Zinskurve profitieren, da Zinserhöhungen der Notenbanken zunehmend ausgepreist werden. Zudem favorisieren die Strategen chinesische Technologiewerte, da sich die Spannungen mit den USA abschwächen könnten. Auch Konsumwerte und Halbleiter stehen im Fokus, da sie vom politischen Druck auf Lebenshaltungskosten und weiterhin hohen Investitionen in KI profitieren.

Aktienzuflüsse bleiben hoch
Trotz der langfristigen Präferenz für Rohstoffe bleiben Aktien gefragt. Laut Hartnett erleben sie ein Rekordjahr bei Mittelzuflüssen, da sie von politischen Entscheidungsträgern als "too big to fail" betrachtet werden.

Seit Jahresbeginn flossen rund 275 Milliarden Dollar in Aktien. Dieser Trend dürfte anhalten – es sei denn, es kommt zu einem größeren politischen Fehler wie einem Einbruch des Dollar oder der Anleihemärkte oder zu einem bedeutenden Kreditereignis. (mb/Bloomberg)