Seit dem Rückzug von Bill Gross aus dem aktiven Geschäft trägt ein Fondsmanager wie Jeffrey Gundlach aus Sicht vieler Marktbeobachter zu Recht die Krone des Bond-Königs. Nicht ohne Grund hat Gundlachs Flaggschiff-Produkt Doubleline Total Return Bond Fund inzwischen ein verwaltetes Vermögen von rund 52 Milliarden US-Dollar (42,4 Milliarden Euro) erreicht. Das sind rund ein Drittel der insgesamt über 140 Milliarden US-Dollar (114 Milliarden Euro), welche die Gesellschaft Doubleline verwaltet. Im laufenden Jahr hat der Fonds um 3,7 Prozent zugelegt und schnitt damit nach von Bloomberg erhobenen Daten besser ab als fast die Hälfte seiner Konkurrenten. Bei der annualisierten Fünfjahresrendite liegt der Fonds mit einem Plus von 3,4 Prozent sogar besser als drei Viertel seiner Konkurrenten.

Bekannt ist Gundlach vor allem für seine oft markigen Prognosen. Diesem Ruf ist er auch jüngst wieder gerecht geworden. In einem Webcast zur künftigen strategischen Ausrichtung seines Fonds erstaunte Gundlach seine Zuschauer mit der kühnen Prognose, die Inflation werde in den nächsten Monaten zwar voraussichtlich ihren Tiefpunkt erreichen, im nächsten Jahr auf über zwei Prozent steigen. "Im Jahr 2021 könnte sie zwischen 2,25 und 2,4 Prozent liegen", erklärte Gundlach.

Wieder einmal im Gegensatz zum Marktkonsens
Mit seiner Vorhersage steht der 61-Jährige wieder einmal im Gegensatz zum Marktkonsens. Angesichts der Tatsache, dass die US-Wirtschaft nicht oberhalb des von der Federal Reserve gesetzten Ziels geblieben ist, besteht unter den Marktteilnehmern laut einer Bloomberg-Umfrage unter 51 Ökonomen die Erwartung, dass die weit vorangeschrittene Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen zwar die Ausgaben entfesseln und ein schnelles Wachstum generieren wird. Entsprechend könne die Inflation im zweiten Quartal 2021 zwar vorübergehend auf über zwei Prozent steigen, werde aber in den folgenden Quartalen wieder zurückgehen.

Optimistisch zeigte sich Gundlach für die künftige Entwicklung von Small Caps. Deren Underperformance könnte endlich ein Ende erleben, so der Fondsmanager, der auf den Russell 2000 im Vergleich zum S&P 500 verwies. Diese Entwicklung sei bereits "ziemlich stark" gewesen, so Gundlach. Die Zeiten, in denen die FAANG-Aktien und Microsoft als die "Markt-Generäle" die Richtung vorgegeben hätten, sei jedenfalls vorbei.

Zinsanstieg in Sicht?
Die Renditen von zehnjährigen Treasuries hält Gundlach für zu niedrig. "Die Fundamentaldaten unterstützen ein solches Niveau nicht", so der Anleihen-König. Als zu gering erachtet Gundlach auch die Spreads von mit Triple-B gerateten Anleihen, die sich zuletzt relativ zu Treasuries verengt haben. Manches BBB-Papier unterscheide sich in Bezug auf seine Rendite nicht mehr allzu sehr von 30-jährigen Treasuries. (hh)