Das US-Finanzministerium erwägt offenbar, einen Teil seiner umfangreichen Barreserven zur Finanzierung von Rückkäufen höher verzinster älterer Staatsanleihen einzusetzen. Das berichtet der US-Sender "CNBC" unter Berufung auf zwei hochrangige Ministeriumsvertreter. Damit könnte Washington versuchen, die zuletzt deutlich gestiegenen Finanzierungskosten einzudämmen.

Finanzminister Scott Bessent hatte in der vergangenen Woche eine Ausweitung des Rückkaufprogramms angekündigt, nachdem die Renditen länger laufender US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Jahren gestiegen waren. Händler waren bislang davon ausgegangen, dass die Rückkäufe durch die Ausgabe zusätzlicher kurzfristiger Schuldtitel finanziert würden.

935 Milliarden Dollar in der Kasse
Stattdessen könnte das Ministerium laut "CNBC" auf das sogenannte Treasury General Account (TGA) zurückgreifen. Auf diesem Konto bei der US-Notenbank lagen per 20. August rund 935 Milliarden US-Dollar. Üblicherweise hält das Finanzministerium dort einen beträchtlichen Puffer für staatliche Ausgaben vor.

US-Staatsanleihen bauten nach dem Bericht ihre Kursgewinne aus. Die Rendite zehnjähriger Treasuries sank zeitweise um vier Basispunkte auf 4,69 Prozent und lag später bei 4,71 Prozent.

Blake Gwinn, Leiter der US-Zinsstrategie bei RBC Capital Markets, äußerte sich skeptisch. Das Vorgehen wirke eher wie ein überstürzter Versuch, den Ausverkauf aufzuhalten, als wie eine durchdachte Änderung der Cash-Management-Politik. Die Wahrscheinlichkeit eines Rückgriffs auf die Barreserven hält er für "sehr, sehr gering". Gerade angesichts wachsender Cyberrisiken sei ein ausreichender Puffer wichtig.

Abkehr von bewährtem Prinzip?
Wie viel Geld gegebenenfalls aus dem TGA eingesetzt werden könnte, ließen die von "CNBC" zitierten Beamten offen. Auch eine Finanzierung der Rückkäufe durch kurzfristige Treasury Bills sei weiterhin möglich. In diesem Fall würde im Wesentlichen eine Form von Staatsschulden durch eine andere ersetzt.

Seit 2015 verfolgt das Finanzministerium die Vorgabe, mindestens Mittel für fünf Tage staatlicher Ausgaben beziehungsweise wenigstens 150 Milliarden Dollar als Reserve vorzuhalten. Für Unruhe sorgt am Markt zudem das Vorgehen des Ministeriums. Änderungen am Schuldenmanagement wurden traditionell erst nach ausführlichen Beratungen mit Marktteilnehmern vorgenommen. Dabei gilt seit Jahrzehnten das Prinzip eines "regelmäßigen und vorhersehbaren" Vorgehens.

Anleger könnten höhere Risikoprämien verlangen
Einige Analysten warnen, die überraschende Ausweitung der Rückkäufe nur zwei Wochen nach Veröffentlichung eines vorläufigen Quartalsplans könnte dieses Vertrauen beschädigen. Anleger könnten deshalb insbesondere bei lang laufenden Treasuries höhere Risikoprämien verlangen, um sich gegen unerwartete Änderungen künftiger Emissionsvolumina abzusichern. Die von "CNBC" zitierten Regierungsvertreter wiesen diese Kritik zurück.

Ein Abbau des TGA könnte zugleich den Druck auf die kurzfristigen Zinsen verringern und die Bilanz der US-Notenbank verkleinern. Fed-Chef Kevin Warsh hat sich für eine kleinere Notenbankbilanz ausgesprochen und dazu eine Arbeitsgruppe eingesetzt. (mb/Bloomberg)