Rentenanleger können so bald nicht auf höhere Renditen hoffen, sagt Chris Iggo, leitender Anlageexperte bei Axa Investment Managers (Axa IM). "Höhere Anleiherenditen sind auch 2021 unwahrscheinlich", erklärt er. Springt die Konjunktur wieder an, dürften Investoren rasch damit beginnen, eine geldpolitische Straffung einzupreisen. In diesem Szenario könnten die Renditen sogar ins Negative drehen, sagt Iggo. Bond-Anleger sollten deshalb neben der Geldpolitik vor allem die Wachstums- und Inflationsaussichten im Blick behalten, rät er.

Wer mit Anleihen auskömmliche Renditen erzielen will, der sollte sich nach Ansicht des Axa-IM-Experten im laufenden Jahr bei Schwellenländertiteln, Ramsch-Bonds sowie im Kredit-Bereich umschauen. "Hochzinsanleihen und Kredite könnten für Anleger, die auf der Suche nach Rendite sind, auch 2021 attraktiv sein", sagt Iggo. Diese beiden Varianten von Zinspapieren bieten seiner Einschätzung nach einen vergleichsweise hohen Schutz gegen steigende Zinsen. Sorgen über Kreditausfälle und Bonitätsverschlechterungen dürften schwinden, sobald sich die Wirtschaft stärker von der Corona-Krise erholt.

Währungen als neue Absicherungs-Stars
Viele Anleger fragen sich, ob festverzinsliche Wertpapiere im Portfolio weiterhin als Sicherheitsanker dienen können. Wegen der niedrigen Zinsen ist diese klassische Funktion von Anleihen derzeit stark eingeschränkt, urteilt Iggo. "Die Zinssätze befinden sich aktuell an der unteren Bandbreite und verfügen lediglich über begrenzten Spielraum. Damit wird die Kombination von Anlageklassen, die sich in wandelnden Marktphasen unterschiedlich entwickeln, erschwert", sagt er. Das habe man während des Corona-Crashs im März deutlich gesehen: US-Anleihen konnten die Verluste am US-Aktienmarkt kaum abfedern. "In einem solchen Umfeld könnten vermeintlich sichere Währungen wie der Schweizer Franken und der japanische Yen die bessere Absicherungsoption sein", sagt Iggo. (fp)