Bondstratege gibt Sturmwarnung für Unternehmensanleihen
Der Vermögensverwalter Candriam warnt angesichts der anrollenden Refinanzierungswelle vor einer Verschlechterung der Kreditqualität bei Unternehmensanleihen. Auch KI-Firmen verschulden sich zusehends. Gründliche Kreditanalyse und aktives Management seien entscheidend für den Erfolg.
Nach mehreren Jahren starker Performance sind die Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen stark gesunken. Auf diesem Niveau seien Unternehmensanleihen zunehmend anfällig für Rückschläge, sagt Charudatta Shende, Anleihenstratege beim Asset Manager Candriam. Er sieht zwar noch gute Gelegenheiten, aktive Selektion und Risikobewusstsein würden in dieser Phase des Kreditzyklus aber zunehmend wichtiger.
Kreditzyklus geht in seine letzte Phase
"Die Zinsprämien signalisieren klar, dass Unternehmensanleihen nicht günstig sind", so Shende. Inzwischen zahlen einige Konzerne für ihre Unternehmensanleihen Zinsen, die auf oder sogar unter dem Renditeniveau der Staatsanleihen ihrer jeweiligen Heimatstaaten liegen. Als Beispiele nennt Shende die Anleihen des US-Technologiekonzerns Microsoft versus US-Treasuries und Anleihen des Pariser Pharmaherstellers Sanofi, die sogar unter französischen Staatsanleihen rentieren.
Profitiert haben Unternehmensanleihen in den vergangenen Jahren unter anderem von der deutlich günstigeren Verschuldungsdynamik der Privatwirtschaft im Vergleich zu den öffentlichen Haushalten und von der damit einhergehenden Ratingdynamik der vergangenen Jahre. Allerdings könnte sich diese günstige Konstellation im kommenden Jahr ändern, so der Fixed-Income-Experte.
Er sagt: "Wir befinden uns in der letzten Phase dieses Kreditzyklus." Dafür sprechen neben den hohen Mittelzuflüssen und historisch geringen Spreads seiner Meinung nach die geringe Differenzierung zwischen unterschiedlichen Schuldnern und die noch vereinzelten, aber allmählich zunehmenden Ausfälle bei US-Schuldnern auch im Private-Debt-Bereich.
Refinanzierungswelle rollt an
Angesichts der geringen Zinsprämien seien Unternehmensanleihen im Fall externer Schocks grundsätzlich anfälliger, so der Candriam-Experte. Zudem bewegen sich die Märkte auf eine sogenannte "Maturity Wall" zu. Viele Unternehmen hatten die Niedrigzinsphase genutzt, um sich langfristig günstig zu refinanzieren. Diese Anleihen müssen aber in den kommenden Jahren bei deutlich höheren Marktzinsen refinanziert werden. Ab 2026 steigt der Refinanzierungsbedarf deutlich – die anrollende Refinanzierungswelle dürfte für viele Firmen teuer werden.
Bereits für das kommende Jahr geht Shende davon aus, dass die gegenwärtig noch geringe Zahl an Downgrades aus dem Investment-Grade- in den High-Yield-Bereich – die sogenannten "Fallen Angels" – zunehmen wird, während immer weniger "Rising Stars" den Sprung in das konservativere Investment-Grade-Segment schaffen. Mehrere große Schuldner wie Boeing mit 60 Milliarden US-Dollar oder Ford mit 80 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Anleihen liegen mit "BBB-"-Rating gerade noch im Investment-Grade-Bereich nur eine Stufe über High Yield. Dazu kommt, dass auch die KI-Firmen von Meta über Oracle bis hin zu Broadcom ihre Investitionen stärker über Anleihen finanzieren statt nur über den eigenen Cashflow.
Vorsichtig und flexibel bleiben
Noch zeigt sich der Markt für Unternehmensanleihen robust. Sollte aber erst einmal ein größerer Schuldner in Probleme geraten, könnte das weitreichende Folgeeffekte für die Risikoneigung und die Risikoprämien haben, sagt Shende. Er rät dazu, bei Firmenanleihen vorsichtig, selektiv und flexibel zu investieren. (jh)
















