Bei europäischen Aktien handelt es sich derzeit nicht nur um eine der unbeliebtesten sondern auch um eine der am schwächsten gewichteten Assetgruppen weltweit. Ann Steele, Fondsverantwortliche für den Threadneedle Pan European Equities, kann die Skepsis in Teilen druchaus nachvollziehen: "Es gibt einfach zu viele große Probleme: Geringe Inflation, eine ungünstige Demografie und schwaches Wirtschaftswachstum waren nicht allein für die Investorenflucht aus Europa verantwortlich. Auch der Brexit und mögliche Strafzölle von Seiten der USA hängen noch wie ein Damoklesschwert über den europäischen Märkten." 

Trotz des Gegenwindes gibt es Steele zufolge aber auch positive Signale. Europas Verbraucher haben sich in dieser Zeit als besonders stark erwiesen, und der Konsum konnte nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und Asien Schritt halten. Die Beschäftigungsrate ist ebenfalls hoch geblieben. "Wir denken, dass wir derzeit einen kleinen Wendepunkt erreichen. Wir haben die Einkaufsmanagerindizes verfolgt, und nachdem diese kontinuierlich tiefer und tiefer gesunken sind, ist nun eine Art Stabilisierung und möglicherweise ein Wendepunkt zu beobachten," erklärt Steele. Zudem könnten fiskalpolitische Maßnahmen der EU-Mitgliedstaaten für weiteren Stimulus sorgen. Besonders jedwede Form einer Brexit-Resolution sieht die Expertin als den Beginn der Investorenrückkehr nach Europa. Immerhin beherbergt der Alte Kontinent noch immer einige der führenden weltweiten Konzerne und hat mit derzeit niedrigen Bewertungen und hohen Dividendenrenditen starke Argumente für sich.

Nahezu verrückte Bewertungen
Unter den europäischen Ländern ist das Vereinigte Königreich jedoch am stärksten diskontiert. Hier ist Steele mit ihrem Portfolio zwar bereits mit einer Quote von rund 25 Prozent investiert, bis vor kurzem richtete man in ihrem Team allerdings die Aufmerksamkeit nur auf international aufgestellte Unternehmen. Seit geraumer Zeit sind die lokal verdienenden britischen Unternehmen laut der Fondsfachfrau aber einfach zu niedrig bewertet, um sie zu übergehen:

"Ende des letzten Sommers dachte ich einfach nur, dass die niedrigen Bewertungen nahezu verrückt sind. So fing ich an, Profit aus einigen meiner internationalen Renditebringer wie Diageo zu nehmen und bei lokalen Playern aufzustocken, wie zum Beispiel beim Bauträger Persimmon. Insgesamt haben wir etwa ein Drittel der britischen Holdings in geschäftsseitig eher inländisch orientierte Unternehmen umgeschichtet, was der Rendite zuletzt besonders zugute kam.“

Abschließend fügt die versierte Portfoliomanagerin noch hinzu: "Wenn Sie etwas Weihnachtserspartes besitzen und es nicht ausgeben möchten, würde ich Ihnen ans Herz legen, Aktien britischer Unternehmen zu kaufen.“ (aem)