Bullen geben weiter Gas: S&P 500 nähert sich 7.000-Punkte-Meilenstein
Optimismus an der Wall Street: Nach dem jüngsten Rekordlauf des S&P 500 rechnen Investoren mit einem baldigen Sprung über 7.000 Punkte. Zuversicht herrscht dank Zinssenkungserwartungen, starker Unternehmenszahlen und saisonaler Effekte – doch diese Woche steht ein wichtiger Stresstest bevor.
Bullische Anleger gehen davon aus, dass der S&P 500 bald die Marke von 7.000 Punkten überschreiten wird. Der US-Aktienindex stieg am Dienstag (28.10.) auf ein neues Rekordhoch von 6.911 Punkten, gestützt durch positive Signale im Handel, Erwartungen an Zinssenkungen und starke Unternehmensgewinne.
Mit diesem Rückenwind verweisen die Bullen auf weitere Faktoren, die den Index über die psychologisch wichtige Marke heben könnten.
Technische Stärke und Zuflüsse stützen den Markt
Sowohl private als auch institutionelle Anleger investieren kräftig in Aktien, und technische Analysen deuten kaum auf Widerstände vor der 7.000er-Marke hin. Saisonale Muster sprechen ebenfalls für steigende Kurse – die aktuelle Kalenderwoche gilt laut UBS-Daten als die beste Börsenwoche der vergangenen 75 Jahre.
"Es mangelt nicht an Katalysatoren, um das Risiko höher zu treiben", schrieb Michael Romano, Leiter des Bereichs Hedge Fund Equity Derivative Sales bei UBS Securities, in einer Kundenmitteilung. "Was einst ein optimistisches Szenario mit 7.100 Punkten zum Jahresende war, entwickelt sich nun rasch zur Basiserwartung, da der Markt das Aufwärtspotenzial aus dem kommenden Jahr vorwegnimmt."
Quartalszahlen und Notenbanken als Belastungstest
Der Optimismus wird in dieser Woche auf die Probe gestellt: Fünf der "Magnificent Seven" – die Technologieriesen Microsoft, Alphabet, Meta, Amazon und Apple – legen am Mittwoch (29.10.) und Donnerstag (30.10.) ihre Ergebnisse vor. Zudem stehen wichtige Entscheidungen der Notenbanken in den USA, Japan und Europa an.
Sollte der Aktienmarkt diese Phase unbeschadet überstehen, könnten saisonale Faktoren weiter Rückenwind geben. Historisch betrachtet profitieren Risiko-Assets in den letzten Wochen des Jahres überdurchschnittlich stark. Daten von Goldman Sachs zeigen, dass der Nasdaq 100 seit 1985 im Schnitt 8,5 Prozent zwischen dem 20. Oktober und Jahresende zulegte, während der S&P 500 durchschnittlich 4,2 Prozent gewann.
Auch kurzfristig spricht die Statistik für steigende Kurse: Laut UBS war die letzte Oktoberwoche seit 1950 die beste Handelswoche für Aktien.
"Nächstes Ziel zwischen 7.500 und 7.700 Punkten"
Aus technischer Sicht könnte der Index weiter steigen. Die nächste Widerstandszone liege bei rund 7.000 Punkten, erklärte John Kolovos, Chefstratege bei Macro Risk Advisors. "Das wird ein wichtiger Meilenstein – und wenn der Index diese Marke durchbricht, liegt das nächste Ziel zwischen 7.500 und 7.700 Punkten", sagte er.
Alexander Altmann, globaler Leiter der Abteilung Equities Tactical Strategies bei Barclays, erwartet bis Jahresende ein Niveau von 7.250 Punkten. Er verweist dabei auch auf die durchschnittliche absolute Jahresbewegung von 23 Prozent des Index in den vergangenen fünf Jahren.
Mittelzuflüsse und Aktienrückkäufe
Der Mittelzufluss in Aktien bleibt ein zentraler Treiber. Laut Citadel Securities waren Privatanleger, die rund 22 Prozent des US-Aktienhandels ausmachen, in 23 der vergangenen 27 Wochen Nettokäufer. Auch Aktienrückkäufe von Unternehmen nehmen nach einer Pause vor der Berichtssaison wieder Fahrt auf – traditionell ist das vierte Quartal laut Goldman Sachs besonders aktiv in Bezug auf Buybacks.
Selbst Hedgefonds sind nach zwei Wochen mit starken Verkäufen wieder zu Nettokäufern geworden. Geringer als erwartet ausgefallene Inflationsdaten vom Freitag (24.10.) hatten die Erwartungen an Zinssenkungen der US-Notenbank gestützt und für neue Käufe gesorgt.
Bewertungen auf hohem Niveau – Risiko bleibt
Angesichts des starken Laufs – der Markt hat sich seit dem Tief im April um 38 Prozent erholt – warnen Analysten indes vor hohen Bewertungen, die an Phasen von Blasen erinnerten. Zwar seien die bisherigen Unternehmenszahlen exzellent, doch mit Blick auf die ausstehenden Berichte von Microsoft, Alphabet, Meta, Amazon und Apple – die zusammen rund ein Viertel der Marktkapitalisierung des S&P 500 stellen – bleibe Vorsicht angebracht.
"Wenn es Anzeichen von Enttäuschung gibt oder Zweifel daran, dass sich die hohen Investitionen in KI auszahlen, werden Investoren schnell reagieren", sagte Dave Mazza, CEO von Roundhill Financial. Umgekehrt könnten starke Zahlen den Markt laut Mazza beflügeln: "Das könnte der Funke sein, der die Rally weiter antreibt – und der S&P 500 könnte noch in dieser Woche die 7.000er-Marke erreichen." (mb/Bloomberg)














