Die Banken sollten Risiken, welche die Inflation mit sich bringen kann, nicht unterschätzen. Dies sagt Joachim Wuermeling, Vorstand der deutschen Bundesbank, der "Börsen-Zeitung." Er sehe "eine gewisse Gefahr darin, dass man sich derart auf die Auswirkungen der Pandemie fokussiert, dass andere Risiken, die womöglich größer und auch längerfristig sind, zu wenig Aufmerksamkeit bekommen", so Wuermeling. Als Beispiel nennt der Notenbanker "die Folgen einer möglicherweise länger anhaltenden Inflation und eines damit verbundenen Zinsanstiegs, wie wir ihn in den USA und anderen Ländern bereits sehen."

Die Teuerung gewann im Euroraum zuletzt deutlich an Fahrt. Auch in Deutschland steigen die Erzeuger- und Verbraucherpreise. Die Bundesbank hob deswegen erst Mitte Dezember ihre Prognose für die Inflationsentwicklung deutlich an. Für 2021 rechnet sie mit einer Inflationsrate von 3,2 Prozent. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr, als die Ökonomen noch im Juni erwartet hatten. 2022 dürfte die Rate nach Ansicht der Bundesbank dann im Durchschnitt bei 3,6 Prozent liegen und nicht wie zuvor gedacht bei 1,8 Prozent.

"Wettlauf gegen die Zeit"
Daneben sieht der für die Bankenaufsicht zuständige Wuermeling Cyberattacken als große Gefahr für die Geldhäuser. "Wir sehen zunehmend Risiken, die sich aus der Digitalisierung der Banken ergeben", sagte Wuermeling der "Börsen-Zeitung". Die Sensibilität in den Banken bezüglich solcher Risiken habe in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. "Es gibt Fortschritte, aber auch weiterhin Schwachstellen." Der Zentralbanker mahnte, der Kampf gegen Cyberkriminalität sei ein Wettlauf gegen die Zeit. "Die Angriffe werden immer subtiler, ausgefeilter und professioneller." (ert)