Die Programmiersprache Cobol ist schon über 60 Jahre alt. Dennoch laufen viele Großrechner auch heute noch auf ihr: die Datenverarbeitungssysteme des US-Arbeitsministeriums beispielsweise, rund die Hälfte aller EDV-Kerne bei Geschäftsbanken und fast alle Kreditkartensysteme. Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach Cobol-Entwicklern binnen kürzester Zeit geradezu explodiert ist, berichtet das Tech-Magazin "T3n".

Der Grund: In den USA mussten sich sehr viele Menschen in sehr kurzer Zeit arbeitslos melden. Das auf Cobol basierende Datenverarbeitungssystem des US-Arbeitsministeriums hielt dem Ansturm nicht stand – ebensowenig wie die Ordersysteme zur Wertpapierabwicklung bei einigen deutschen Geschäftsbanken während des Corona-Crashs Ende Februar und Anfang März. Im Frühjahr 2017 sorgte die derzeit besonders vielbeschäftigte Förderbank KfW mit einer IT-Panne für Schlagzeilen, die mutmaßlich ebenfalls durch überarbeitungsbedürftige Codes aus der Computer-Steinzeit mitverursacht wurde.

Doch Programmierer, die Cobol beherrschen und die Probleme lösen können, sind selten – und nicht mehr die Jüngsten. Viele befinden sich bereits im Ruhestand, zudem wird die Sprache an den Hochschulen kaum mehr gelehrt. Der Aufruf des Gouverneurs von New Jersey, Freiwillige mit Cobol-Kenntnissen mögen bitte rasch bei der Aufrüstung der behördlichen EDV-Systeme helfen, verlief deshalb größtenteils im Sand.

Kostenlose Onlinekurse
Einziger Lichtblick: Die Programmiersprache ist wohl relativ einfach zu lernen. IT-Unternehmen wie IBM bieten inzwischen kostenfreie Onlinekurse an, um den plötzlich so dringenden Bedarf an Cobol-Entwicklern zu decken. Auch Lern-Plattformen wie Udemy haben ihr Angebot an Onlinekursen erst kürzlich erweitert, berichtet das Tech-Magazin. Ob das reicht, um Talente für das Urgestein unter den Programmiersprachen zu begeistern, ist offen; um fehlende Aufträge müssen sich künftige Cobol-Entwickler aber wohl keine Gedanken machen. (fp/ps)