Die Klimakonferenz in Glasgow hat bereits ein paar spannende Ergebnisse geliefert. Das wäre eigentlich Grund zur Freude, doch David Czupryna, ESG-Leiter beim Vermögensverwalter Candriam, betrachtet viele der vereinbarten Ziele skeptisch. Beispiel Methanreduktion: Hunderte Länder haben sich darauf geeinigt, den Verbrauch bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Das sei ein wichtiges Bekenntnis, meint Czupryna, allerdings haben zwei entscheidende Staaten die Vereinbarung nicht unterzeichnet: "Ohne die Beteiligung Russlands und Chinas ist es schwieriger abzusehen, wie dies zu einer signifikanten globalen Reduzierung der Methanemissionen führen soll."

Auch die Selbstverpflichtung von 450 Finanzdienstleistern, die zusammengenommen umgerechnet immerhin 112 Billionen Euro an Kundenvermögen verwalten, zukünftig bevorzugt in die Reduktion von Treibhausgasen zu investieren, sieht er als Mogelpackung. "Diese Zahl ist zwar begrüßenswert, aber zu hoch, um glaubwürdig zu sein", moniert er. "Eine Investmentbank kann die Verpflichtung unterzeichnen und gleichzeitig eine Reihe von milliardenschweren Investitionen oder Krediten für Unternehmen aus Branchen wie Öl, Gas und Kohle bewilligen, die die Hauptquellen für CO2-Emissionen sind." Sein Hauptkritikpunkt aber lautet: Die Selbstverpflichtung schreibt kein Tempo bei der Reduzierung der Finanzierung vor. 

China hat Schlüsselrolle
Der Vermögensprofi hält die Vorstellung, die Finanzwirtschaft könne das Klimawandel-Problem im Kern lösen, ohnehin für fragwürdig. Immerhin werde ein Großteil des für Klimaschutz bereitgestellten Geldes passiv investiert, also über ETFs. "Das gestattet nur wenig Einfluss auf den Klimawandel."

Zu guter Letzt kritisiert Czupryna auch die Kohleausstieg-Verpflichtungen – denn auch hier sind China, Indien und Australien als einige der größten Kohleverbraucher der Welt nicht beteiligt. Insbesondere China, das Land, das die Hälfte der weltweiten Kohle verbraucht, müsste sich verbindlich zu einer Stilllegung der Kohlekraftwerke verpflichten. "Solange dies nicht geschieht, sind alle anderen Verpflichtungen zweitrangig", sagt der Finanzexperte. Für Schwellenländer, die in ihrer Energieversorgung auf Kohle angewiesen sind, fordert er mehr Investitionen in erneuerbare Energien. (fp)