Das erste Halbjahr endete für viele Investoren ernüchternd. Noch immer sind viele Risiken wie der Handelsstreit nach wie vor ungeklärt. Entsprechend düster fällt die Prognose vieler Marktteilnehmer aus. "Zum Ende des ersten Halbjahres 2019 haben sich die Konjunkturerwartungen eingetrübt", sagt Nadège Dufossé, Chefanlagestrategin beim Vermögensverwalter Candriam. Sie selbst hält eine baldige Rezession dagegen für unwahrscheinlich.

Grund: "Die Vereinigten Staaten sind tongebend, und der US-amerikanische Markt scheint derzeit durch eine doppelte Verkaufsoption geschützt zu sein: die der amerikanischen Federal Reserve und die des amerikanischen Präsidenten", sagt Dufossé. Die Zentralbank unternimmt alles, um einem Abschwung entgegenzuwirken und günstige Finanzierungsbedingungen aufrecht zu erhalten. "Die Fed besitzt heute mehr Handlungsspielraum als andere Zentralbanken, um ihre Geldpolitik zu lockern", erklärt die Anlagestrategin.
 
Schwellenländer sind attraktiv
US-Präsident Donald Trump hat derweil seine Kampagne für eine zweite Amtszeit offiziell gestartet. Dufossé rechnet damit, dass Trump daher alles versuchen wird, um eine Rezession und einen Einbruch des US-Aktienmarktes zu vermeiden, um den Sieg davonzutragen. Hinzu kommt: Die US-Wirtschaft präsentiert sich aller Risiken zum Trotz nach wie vor überraschend solide: Die Unternehmensgewinne steigen. Zudem sind viele amerikanische Aktien weiterhin fair bewertet.

Anlegern rät sie außerdem dazu, ihren Blick gen Schwellenländer zu richten. Von den vier größten Aktiensektoren des Schwellenländer-Aktienindex stünden nämlich drei Sektoren in Verbindung mit Technologie, sozialen Netzwerken und Konsum. "Dieses Wachstum ist gut bewertet", sagt Dufossé. Bei Aktien aus Schwellenländern und vor allem aus China werde es darauf ankommen, ob ein – wenn auch nur vorübergehendes – Abkommen mit den Vereinigten Staaten zustande kommt. "China sollte dann in der Lage sein, sein Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten", sagt die Anlagestrategien. Schwellenländer-Aktien dürften dann neuen Auftrieb erfahren. (fp)