Dunkle Wolken ziehen über der US-amerikanischen Konjunktur auf: Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2007 hat sich die Zinsstrukturkurve invertiert – die Renditen zweijähriger Staatsanleihen liegen aktuell höher als die von zehnjährigen. In der Vergangenheit war das ein sicheres Zeichen für eine sich anbahnende Rezession. Entsprechend flüchten immer mehr Anleger in sichere Häfen, was die Renditen zusätzlich unter Druck setzt. Die Wahrscheinlichkeit für negative Zinsen, wie sie in Ländern wie Japan oder Deutschland längst zum Bild gehören, steigt.

Pramod Atluri, Anleihe-Profi bei Capital Group, hält ein solches Szenario für die USA dennoch für unwahrscheinlich. "Zwar kann eine solche Entwicklung hin zu negativen Zinsen nicht vollkommen ausgeschlossen werden, dass es zeitnah in eine solche Richtung geht, sehe ich jedoch nicht – insbesondere in Anbetracht des prognostizierten moderaten Wachstums."

Vorsicht vor zu viel Pessimismus
Auch wenn das Wachstum in den USA nach wie vor ordentlich und der Arbeitsmarkt stabil ist, befördert die weltweite konjunkturelle Abkühlung eine expansivere Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. "Die Fed wird sich wahrscheinlich ähnlich wie in der vergangenen Finanzkrise verhalten – regelmäßige Zinssenkungen bis hin zu einem Leitzins von Null", prognostiziert Capital-Group-Analyst Timothy Ng. Der Anlageprofi warnt davor, der Zinsstruktur in den USA zu viel Bedeutung zuzusprechen. "Deuten mehrere Indizien auf eine Rezession hin, ist eine wirtschaftliche Abkühlung deutlich wahrscheinlicher als wenn dies nur ein Indikator tut", sagt Ng. Eine solche Situation bestehe in den USA aber bisher nicht. (fp)