Der Aufschwung der US-Wirtschaft dürfte sich fortsetzen, meinen die Experten der Capital Group in einer aktuellen Analyse. Die Vereinigten Staaten befinden sich seit mittlerweile acht Jahre in einer wirtschaftlichen Expansionsphase – und damit in einer der längsten Aufschwungphasen der US-Geschichte. Genau diese Tatsache schürt jedoch die Sorgen vieler Investoren. Sie fragen sich, ob ein solches Wachstum nachhaltig sein kann oder der US-Wirtschaft langsam die Puste ausgeht.

Die Experten der Capital Group erwarten eine Fortsetzung des Aufschwungs. Ausschlaggebend für das Ende eines Aufschwungs sei nicht dessen Dauer, sondern Übertreibungen und wirtschaftliche Ungleichgewichte. Auf die USA träfen beide Gründe nicht zu. Doch wo steht die Wirtschaft jetzt? Und was bedeutet das für Investoren?

Niedriges Wirtschaftswachstum ist nachhaltiger
Seit der letzten Finanzkrise ist die US-Wirtschaft langsam, aber stetig gewachsen, und auch die Aktienmärkte konnten zulegen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist seit der letzten Rezession im jährlichen Durchschnitt um 2,1 Prozent gestiegen – und damit deutlich geringer als während der letzten zehn Erholungen. Dies könnte nach Ansicht der Capital Group eine mögliche Erklärung für die ungewöhnliche Länge des Aufschwungs sein und zugleich ein Indikator, dass sich dieser fortsetzen könnte.

Ein Grund für das geringe Wachstum war die schwache Industrie, die wiederum aus der ebenso kraftlosen Weltkonjunktur resultierte. In den vergangenen Monaten konnte das verarbeitende Gewerbe aber weltweit wieder Fortschritte verbuchen. Zudem haben auch der starke Arbeitsmarkt und die aktuell unter fünf Prozent liegende Arbeitslosenquote den Konsum gestützt.

Schwache Wirtschaft, starke Börse
Im Gegensatz zum mäßigen Wachstum der USA sind die Aktienkurse seit der Finanzkrise stark gestiegen. Der S&P 500 legte über 280 Prozent zu – also wesentlich mehr als die Aktienmärkte anderer Länder. Trotz der europäischen Staatsschuldenkrise, dem Ölpreisverfall, dem Abschwung in China oder auch dem Brexit blieb die US-Börse stabil. Alle Marktsegmente konnten Zugewinne verbuchen, so die Capital Group.

Was Anleger im Blick behalten sollten
Es gibt aber auch Faktoren, die Investoren im Blick behalten sollten: Zum einen die für die kommenden Monate angekündigten weiteren Zinsschritte der US-Notenbank Fed, zum anderen die Wechselkurse. Indikatoren für einen weiteren Zinsschritt könnten eine höhere Inflation sowie weiteres Wirtschaftswachstum sein.

Einen starken Anstieg der Renditen aufgrund der höheren Leitzinsen sollten Investoren laut Capital Group jedoch nicht erwarten, da dieser von niedrigen Staatsanleiherenditen und der expansiven Geldpolitik anderer Länder gebremst werden könnte. (aa)