The Times They Are a-Changin': In den vergangenen Jahrzehnten haben sich nicht nur die Kräfteverhältnisse am globalen Kapitalmarkt verändert, sagt Edouard Carmignac, Gründer der gleichnamigen Fondsgesellschaft, gegenüber der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Dazu kamen auch noch allerlei neue Anlageinstrumente, etwa passive Indexfonds. Von diesen zeigt sich der Carmignac-Chef nicht sonderlich begeistert. "Ich nenne das persönlich ja sozialistische Buchhaltung: Jeder verdient das Gleiche", zitiert ihn die Tageszeitung. "Ich glaube aber, dass es der Wirtschaft selbst nicht viel bringt." Grund dafür ist seiner Ansicht nach, dass ETF-Anleger vornehmlich in reife und teure Unternehmen investieren würden.

Folgerichtig rät Carmignac zu einem aktiven Management des Vermögens. Das biete die Möglichkeit, klassische 60-40-Depots aufzuwerten, die im anhaltenden Niedrigzinsumfeld nicht mehr performen. Interessante Investmentmöglichkeiten sieht der Anlageprofi in neuen Technologien wie KI oder Biotechnologie. Durch Diversifikation, den den Verkauf überteuerter Papiere und das Einpreisen von Markteinflüssen, könne das Investorenrisiko gesenkt werden. 

"Die Inflation ist nicht das Problem"
Angesprochen auf die Corona-Pandemie und ihre makroökonomischen Auswirkungen spricht Carmignac in der FAZ von einem ungewöhnlichen Szenario, das "wir in unserem Leben so noch nicht gesehen haben". Umfang und Ausmaß von Geld- und Fiskalpolitik seien heute so groß wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Dabei bereitet ihm jedoch nicht das medial hochgepeitschte Thema "Inflation" Sorgen. Die Produktivität habe während Corona zugenommen, und dementsprechend sei der Inflationsdruck nicht nachhaltig. "Das viel größere Problem ist, was aus dem Wachstum wird", sagt der Fondsexperte. Aktuelle Prognosen hält er für überhöht. Ein schrittweise restriktiveres Vorgehen der Notenbanken erwartet Carmignac frühestens zum Ende der Pandemie. (fp)