Notenbanken pumpen Milliarden in den Markt, Regierungen legen beispiellose Konjunkturpakete auf: Es fällt nicht schwer, nachzuvollziehen, warum die Aktienmärkte seit März vergangenen Jahres so stark waren. Das bullishe Bild, an das Anleger offensichtlich glauben, muss allerdings nicht von Dauer sein. Der erste mögliche Fallstrick könnte in einer Enttäuschung der Wirtschaft liegen, sagt Didier Saint-Georges, Anlagestratege bei Carmignac. "Und die ist nicht auszuschließen."

Besonders deutlich zeigen sich die Risiken in den USA. Dort ist der Arbeitsmarkt sehr fragil, erklärt Saint-Georges. Die Ungleichheiten haben wieder zugenommen und die Zahl der zahlungsunfähigen kleinen Unternehmen dürfte mit Verzögerung steigen. Viele kleine und mittlere Konzerne in den USA sind nicht davon überzeugt, dass der Plan des US-Präsidenten Joe Biden die Nachfrage nachhaltig ankurbeln wird. Im Gegenteil: "Mehr Regulierung, mehr Steuern – das gibt eindeutig Grund zur Sorge", sagt Saint-Georges. 
 
Fragile Märkte
Wie nachhaltig das Wirtschaftswachstum ist, wenn es durch öffentliche Ausgaben angetrieben wird, die durch Schulden und Steuern finanziert werden, ist fraglich. Noch konzentrieren sich Anleger zwar auf das Jahr 2021, das in den USA in der Tat stark ausfallen dürfte. Die Bedenken werden aber später im Jahr an Bedeutung gewinnen, wenn der Markt anfängt, längerfristig zu denken, ist Saint-Georges überzeugt. "Die Märkte sind technisch fragil", sagt der Stratege. Deshalb habe Carmignac das Marktrisiko in den meisten seiner Fonds reduziert. (fp)