Ökonom: Wieder Zweifel an Unabhängigkeit der Fed
Die Kombination aus steigenden Schulden, Markteingriffen des Finanzministeriums und hoher Inflation stellt die Unabhängigkeit der US-Notenbank auf eine harte Probe, sagt Feri-Chefvolkswirt Axel Angermann.
Die USA kämpfen mit steigenden Schulden und Zinsen, und auch der jüngste Eingriff des Finanzministeriums beruhigte die Märkte nur kurz. Gemeinsam mit der hohen Inflation könnte das die Unabhängigkeit der Geldpolitik testen, meint Axel Angermann, Chefökonom bei Feri.
Staatliche Anleihenkäufe lösen das Problem nicht
Das Finanzministerium versucht, den deutlichen Anstieg der Langfristzinsen mit dem Rückkauf von Staatsanleihen zu bremsen. Diese Maßnahme kann nach Einschätzung von Feri-Ökonom Angermann wie der meisten Ökonomen kurzzeitig die Anspannung an den Märkten verringern. "Längerfristig dürfte der Effekt allerdings begrenzt bleiben, denn das zugrunde liegende Problem, die nicht nachhaltige Entwicklung der staatlichen Finanzen, wird keineswegs gelöst. Ein ernsthafter Wille zur Trendumkehr, also zur Begrenzung der Ausgaben, ist bislang nicht zu erkennen", so Angermann.
Zugleich bildet sich ein Konflikt mit der Notenbank Fed heraus. Diese muss die anhaltend zu hohe Inflation bekämpfen – dafür scheinen Zinsanhebungen zunehmend unvermeidlich. "Die Fed verfehlt schon seit mehr als fünf Jahren ihr Ziel, die Inflationsrate auf zwei Prozent zu begrenzen", sagt Angermann. Das Entscheidungsgremium der Fed hatte zuletzt klare Signale ausgesandt, dieses Problem stärker in den Fokus zu nehmen und eine Rückführung des Inflationstrends auf zwei Prozent anzustreben. "Unklarheiten, ob Fed-Chef Kevin Warsh diesen Kurs mitträgt, dürften nach seiner Rede in Jackson Hole geringer geworden, aber nicht vollständig verschwunden sein", so der Chefökonom.
Fed droht Zielkonflikt
Erhöht die Fed die Leitzinsen, würde das die Schuldenlast weiter verteuern, also dem Bestreben des Finanzministeriums direkt zuwiderlaufen. Folge dieses Zielkonflikts könnte sein, dass die Diskussion um die Unabhängigkeit der Notenbank in eine neue Runde geht, wenn sie Rücksicht auf die Finanzierung der Staatsschulden nimmt. Das sinkende Vertrauen der Investoren zeige sich bereits jetzt in einem schwächeren US-Dollar, so Angermann. (jh)















