Schnelles Ende des Iran-Kriegs? Chefstratege ist skeptisch
Wie lange wird der Krieg gegen den Iran dauern? Drei Faktoren setzen US-Präsident Donald Trump unter Druck, den Konflikt rasch zu beenden, meint Stephan Kemper von BNP Paribas. Eine baldige Entspannung erwartet er trotzdem nicht – er reduziert das Risiko im Portfolio.
US-Präsident Donald Trump hat am Montag (9.3.) Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs geweckt und damit den zuvor stark gestiegenen Ölpreis auf Talfahrt geschickt. "Der Druck unseres 3M-Frameworks (Munition, Märkte, Mid-Terms) zeigt offensichtlich Wirkung", kommentiert Stephan Kemper, Chefstratege im Wealth Management von BNP Paribas. "Seine jüngsten Äußerungen lassen auf eine hastige Kehrtwende schließen, um die innenpolitischen und wirtschaftlichen Wogen zu glätten", so Kemper.
Doch die Frage sei, ob dies noch rechtzeitig komme. "Und vor allem: It takes two to tango. Teheran hat aus dem Jahr 2025 gelernt, dass das Zeigen von Schwäche existenzgefährdend sein kann. Das Regime muss Durchhaltevermögen demonstrieren und könnte wenig Interesse an einer schnellen, totalen Entspannung haben", schreibt Kemper in einer aktuellen Markteinschätzung.
Munition, Märkte und Mid-Terms
Den "3M", Munition, Märkte und Mid-Terms, misst er große Bedeutung für den weiteren Verlauf des Konflikts bei. Hinsichtlich der Munition arbeite die Zeit klar für den Iran, während den Alliierten der USA nach und nach die Abwehrraketen ausgehen würden. An den Märkten drohten infolge von höheren Ölpreisen steigende Inflationserwartungen, was Zinssenkungen durch die Fed unwahrscheinlicher machen und Aktienkurse unter Druck setzen könnte.
Dazu kommen die Mid-Term-Elections in den USA: "Trumps Umfragewerte sind bereits am Boden. Die steigenden Energiekosten belasten die US-Haushalte enorm", so Kemper. Ohne ein rasches Ende des Konflikts und sinkende Preise drohe bei den Mid-Terms im November 2026 und der Präsidentschaftswahl 2028 ein regelrechter "Blue Sweep" hin zu den Demokraten.
Risikoreduzierung im Portfolio
Der Intraday-Absturz beim Ölpreis am Montag sei ein extremes und seltenes Ereignis. Historisch seien nach derart drastischen Reversals beim Öl auf Sicht von drei Monaten oft starke Erholungen beim Dax gefolgt. "Doch wir dürfen uns von diesem statistischen Lichtblick nicht blenden lassen", mahnt der Experte. Die makroökonomischen Risiken durch dauerhaft höhere Energiepreise und eine drohende Nachfrageabschwächung würden derzeit deutlich schwerer wiegen.
Kemper: "Wir ziehen die strategischen Konsequenzen und reagieren auf die gestiegenen stagflationären Einflüsse mit einer Risikoreduzierung. Die Herabstufung von globalen Aktien auf 'Neutral' sowie von europäischen Aktien und globalen High-Yield-Unternehmensanleihen auf 'Negativ' ist ein notwendiger Schutzmechanismus für unsere Portfolios." (jh)




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS











