Die Zentralbanken weltweit müssen wegen des Iran-Kriegs mit einem stagflationären Schock fertig werden. "Für gewöhnlich schauen die Währungshüter durch Angebotsschocks hindurch", sagt Felix Herrmann, Chefvolkswirt bei Aramea Asset Management in Hamburg. "Wenn deren Frequenz allerdings immer höher wird und die Erinnerung an eine Phase hoher Inflation auf Seiten der Marktteilnehmer noch sehr frisch ist, stellt sich die Frage, ob man tatsächlich nach Lehrbuchvorgabe entscheiden kann."

Klar ist für Herrmann: Zinssenkungen, die bis vor Kurzem noch an den Börsen eingepreist waren, werden in den USA und der Eurozone so schnell wohl nicht kommen. Allerdings spricht aus seiner Sicht auch wenig für eine umfangreichere Straffung der Geldpolitik.

Bei deutschen Bundesanleihen mit längeren Laufzeiten rechnet er grundsätzlich weiterhin mit höheren Renditen. Als attraktiv erachtet er die aktuellen Spread-Niveaus bei Euro-Banken- sowie Unternehmensanleihen.

Aussichten für Aktien
Dass am Aktienmarkt seit Jahresbeginn Value-Titel sowie defensive Werte klar vorne liegen, sei nachvollziehbar, so Herrmann: "Befeuert durch den Konflikt im Iran haben Anleger ihre Portfolios deutlich risikoärmer aufgestellt und tendenziell ihr Aktienexposure reduziert." In Europa seien die Positionierungen inzwischen nun jedoch so defensiv beziehungsweise hinsichtlich der Aktiengewichtung so gering wie zuletzt nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Das allein sei ein durchaus starkes Kaufsignal.

Der Chefvolkswirt ergänzt jedoch: "Diese Argumente würden natürlich nicht ausreichen, sollte der Krieg im Iran die Märkte deutlich länger beschäftigen als von uns gedacht."

Kurze Einschätzungen von Herrmann zu einzelnen Anlageklassen sehen Sie in der Bilderstrecke oben, einfach durchklicken! (fp)