Die chinesische Wirtschaft ist bislang vergleichsweise gut durch die Covid-19-Pandemie gekommen. Die Wachstumslücke zwischen dem Reich der Mitte und den USA dürfte sich bis Jahresende auf sechs Prozent ausweiten, schätzt man bei der DWS. Die Zeichen stehen gut, dass China eine V-förmige Erholung schafft, wie sie sich der Rest der Welt erhofft hatte. Das starke Wirtschaftswachstum in Fernost ist allerdings nicht ohne Risiken, warnt Elke Speidel-Walz, Chefvolkswirtin für Schwellenländer bei der DWS.

Ein heikler Punkt ist die Aufwertung des Renminbi. Die People's Bank of China (PBoC) versucht, die Wertzunahme der chinesischen Währung gegenüber dem US-Dollar zu bremsen, unter anderem durch den Versuch, Kapitalabflüsse zu fördern. "Das wird nicht leicht sein", urteilt Speidel-Walz. "Die Zinsdifferenz zwischen China und den USA liegt derzeit bei etwa 2,75 Prozent in den Laufzeiten von zwei bis zehn Jahren." Diese Lücke dürfte sich auch so bald nicht schließen, weil es unwahrscheinlich ist, dass die PBoC die Zinsen weiter senkt, argumentiert die Ökonomin.

Anlegerinteresse nimmt weiter zu
Statt Kapitalabflüssen sind sogar weitere Zuflüsse zu erwarten. Ausländer können nämlich immer leichter in chinesische Wertpapiere investieren, seit diese in globale Marktbarometer aufgenommen wurden. Anfang Oktober erst hat der Indexanbieter FTSE Russell beschlossen, chinesische Staatsschulden in seinen Benchmark-Index für Staatsanleihen aufzunehmen, den FTSE World Government Bond. "Das könnte im nächsten Jahr Investitionen in Höhe von schätzungsweise 140 Millionen US-Dollar auslösen", prognostiziert Speidel-Walz. (fp)