Christoph Bruns steuert von Chicago aus unter anderem den Weltaktienfonds Loys Global. Gegenüber FONDS professionell ONLINE nimmt er Stellung zum überraschenden Wahlsieg von Donald Trump in seiner Wahlheimat USA.

Herr Bruns, hatten Sie Ihre Portfolios im Vorfeld der Wahl defensiver ausgerichtet, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein?

Christoph Bruns: Wir haben aus dem Brexit gelernt, bei wichtigen Wahlen und Referenden etwas Pulver trocken zu legen. So war es auch diesmal.

Die Börsen haben auf Trumps Sieg mit deutlichen Abschlägen reagiert. Ist das eine Kaufgelegenheit?

Bruns: Die historische Börsenerfahrung ist in dieser Frage ganz eindeutig: Krisen produzieren Kaufkurse, und wer die ganze Vorteilhaftigkeit der Aktienanlage nutzen will, der muss solche Phasen zu Käufen nutzen.

Gibt es Länder, Sektoren oder Währungen, die Sie nach jetzt skeptischer beurteilen als vorher?

Bruns: Donald Trump ist zu sehr ein unbeschriebenes Blatt, als das man heute bereits die Gewinner und Verlierer genau identifizieren könnte. Klar ist aber, dass der Gesundheitssektor aufatmen wird, weil er Angst vor Frau Clinton hatte. Von Trumps Wahl dürfte der Bau- und der Rohstoffsektor profitieren.

Abseits der kurzfristigen Kapriolen an den Finanzmärkten: Was bedeutet der Wahlausgang langfristig für Ihre Anlagestrategie?

Bruns: Da wir Einzelaktienselektion betreiben, bedarf es keiner Adjustierung unserer Strategie. Die derzeitige Volatilität wird Fehlbepreisungen mit sich bringen. Das Haus Loys will davon profitieren, indem wir zu Unrecht fallende Dividendentitel, zum Beispiel in Japan, aufstocken werden. (bm)