Der Ausgang der Europawahlen und das zu erwartende Personalkarussell könnte indirekt die Chancen für Jens Weidmann als neuen EZB-Präsidenten erhöhen: "Sollte die EVP-Fraktion ihre Position als größte Parlamentsfraktion verlieren oder das traditionelle Spitzenkandidatensystem zur Auswahl des Kommissionspräsidenten aufgegeben werden, ist es weniger wahrscheinlich, dass der Deutsche Manfred Weber als Nachfolger von Jean-Claude Juncker gewählt wird", sagt Adrian Hilton, Fixed Income Fondsmanager bei Columbia Threadneedle Investments. "Solche Entwicklungen könnten die Möglichkeit eröffnen, dass Jens Weidmann oder ein anderer deutscher Kandidat den Vorsitz der EZB übernimmt." Für Hilton ergäbe sich daraus eine Verschiebung der Zinspolitik hin zu einer eher falkenhaften Ausrichtung.

Hilton will bei den Wahlen einen weiteren Aspekt im Auge behalten, nämlich die Stärke der Lega bei der italienischen Abstimmung. Bedeutende Gewinne der Populisten dürften Hilton zufolge das Todesurteil für die Regierungskoalition bedeuten und die Volatilität der lokalen Vermögenswerte erhöhen.

Politischer Trend setzt sich fort
Für Hilton setzt sich bei den Wahlen so oder so ein Trend fort: Das politische Risiko laste schon seit Jahren auf den europäischen Märkten und habe zu mehreren Perioden erhöhter Unsicherheit geführt. "Aber auch wenn ein gutes Abschneiden für die Euroskeptiker und Populisten für einige Aufregung auf dem Markt sorgen könnte, sind die mittelfristigen Auswirkungen unserer Meinung nach relativ gering, solange die Kontrolle zwischen der EVP- und der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D) geteilt bleibt", so Hilton. (fp)