Investoren sollten den "Frontier-Market" Argentinien keineswegs aus den Augen verlieren. So sei Präsident Mauricio Macri bestrebt, die Inflation und das Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu bringen. "Sofern der aktuelle Plan Erfolg hat und Argentinien seine Vorgaben für die Inflation und das Haushaltsdefizit erreichen kann, sehen wir Spielraum für einen ausgedehnten Wachstumszyklus“, schreibt Ilan Furman, Portfoliomanager bei Columbia Threadneedle, in einem aktuellen Marktkommentar. Angesichts des aufgehellten gesamtwirtschaftlichen Umfeldes besitze der Aktienmarkt weiteres Wachstumspotenzial.

Denn auch wenn es im Juni 2017 nicht mit der Aufstieg Argentiniens in den MSCI Emerging Markets Index geklappt hat: Nächstes Jahr besteht erneut eine Chance darauf. Und viele Investoren haben darauf bereits auf der Longseite gesetzt – damit ist in den Aktienkursen, insbesondere im zehn Titel umfassenden MSCI Argentina, viel "Fantasie" eingepreist:

Bewertungen vielfach ausgereizt, politische Risiken drohen
Zwei Wermutstropfen gibt es Columbia Threadneedle zufolge: Zum einen sorgten die Parlaments-Zwischenwahlen, die im Oktober anstehen, für gewisse Unruhe hinsichtlich des künftigen politischen Kurses. Zum anderen sei die Bewertung vieler Unternehmen angesichts der jüngst guten Wertentwicklung argentinischer Aktien ausgereizt, vor allem innerhalb des Index MSCI Argentina.

Aktive Anleger könnten jedoch selektiv weiterhin Chancen ausfindig machen. Denn es rückten starke neue Unternehmen an den Markt nach. "Zudem bieten sich abseits der Benchmark Chancen in Unternehmen mit bedeutendem Engagement in Argentinien“, schreibt Furman.

Mehr Marktwirtschaft sorgt für Rückenwind
Versorgungs- und Energieaktien seien interessant, da die argentinische Reformagenda auf Subventionsabbau und höhere Gebühren setze. "Daher werden die betreffenden Unternehmen von der Normalisierung ihres Sektors profitieren“, schreibt Furman. Der Landwirtschaft kämen die Aufhebung von Kapitalkontrollen und die Abwertung des Peso nach der Freigabe des Devisenmarktes zugute, die den Warenexport für diesen Sektor verbilligten.

Ein weiterer interessanter Bereich seien die Banken. "Auch wenn es Stimmen gibt, denen zufolge die derzeitigen Bewertungen etwas überdehnt sind, besitzen die Banken aufgrund der sehr niedrigen Kreditdurchdringung der Wirtschaft ein hohes Wachstumspotenzial“, schreibt Furman. "Zudem ist die Branche sehr fragmentiert, wodurch sich interessante Möglichkeiten für Fusionen und Übernahmen ergeben.“ (aa)