Die Aussichten für die Rohstoffmärkte haben sich eingetrübt, berichtet Columbia Threadneedle. "Vor sechs Monaten war ich sehr bullish. Aber jetzt fällt das Makroumfeld deutlich gemischter aus", sagt David Donora, Leiter des Bereichs Rohstoffe bei dem Fondsanbieter. Eine Sondersituation sieht er dieser Tage am Ölmarkt, wo es viele freie Kapazitäten gibt und wo die weitgehende Unabhängigkeit der USA von Energieimporten die Kräfteverhältnisse grundlegend verändert hat.

Zwar hat die Organisation erdölexportierender Länder (Opec jüngst beschlossen, die Produktion um eine Million Barrel pro Tag zu erhöhen. Ein Großteil davon gleicht allerdings nur Produktionsausfälle in Venezuela, Libyen und Nigeria aus. Nun drängen die USA darauf, dass die Opec und Saudi-Arabien nochmals zwei Millionen Barrel täglich mehr förderen. "Aber die Länder haben nicht wirklich zwei Millionen Barrel mehr, die sie einfach so und nachhaltig dazugeben können", sagt Donora.

Ölknappheit wird zum realen Risiko
Unter günstigen Umständen ist das kein Problem. Momentan ist die Gemengelage aber komplex, nicht zuletzt wegen des harten Kurses von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Iran. "Das Risiko ist, dass es ein geopolitisches Ereignis gibt oder irgendeine Art von Versorgungszwischenfall oder dass plötzlich zwei Millionen Barrel täglich vonseiten des Iran am Ölmarkt wegfallen, und plötzlich ist die Produktion extrem knapp und es gibt ein Defizit", warnt Donora.

Aus dieser Situation heraus ergibt sich dem Experten zufolge ein Aufwärtsrisiko. Heißt: Der Ölpreis könnte unerwartet steigen. "Wir könnten in eine Situation geraten, in der der Markt sehr nervös wird und der Ölpreis sich in Richtung 100 bis 150 Dollar pro Barrel bewegt", sagt Donora. (fp)