Die großzügigen Liquiditätsspritzen von Notenbanken und Regierungen im Zuge der Corona-Krise haben zur Folge, dass es auf dem europäischen Hochzinsmarkt immer mehr potenzielle "Zombie-Unternehmen" gibt, warnt Roman Gaiser, Leiter des Bereichs europäische Hochzinsanleihen bei Columbia Threadneedle. Noch gäben die betreffenden Firmen zwar Lebenszeichen von sich. "Fraglich ist jedoch, ob sie bei der einsetzenden Konjunkturerholung angesichts der höheren Verschuldung in der Lage sein werden, ausreichend Cashflow zu generieren, um ihre Betriebskosten und Verbindlichkeiten zu decken", sagt Gaiser. 

Im vergangenen Jahr legten Europas Hochzinsmärkte eine wahre Achterbahnfahrt hin. Für die kommenden Monate erwartet Gaiser weniger starke Schwankungen. Bislang hätten sich die Befürchtungen über einen Pandemie-bedingten Insolvenz-Tsunami nicht bewahrheitet, argumentiert er. "Zwar bremsen die zweite Corona-Welle und die neue Mutation die Erholung. Doch sobald die Ausbreitung des Virus durch Impfungen unter Kontrolle gebracht wurde, sollte in der Wirtschaft und am Hochzinsmarkt wieder eine gewisse Normalität einkehren", sagt der High-Yield-Experte.

Perlen im Schrott
Normalität ist relativ: Der Markt für Hochzinsanleihen wird nach Corona wohl nicht derselbe sein wie vorher. Das Volumen des europäischen High-Yield-Marktes ist im vergangenen Jahr um rund hundert Milliarden Euro beziehungsweise ein Viertel gewachsen, berichtet Gaiser. "Das lag hauptsächlich an den Herabstufungen von Unternehmen mit Investment-Grade-Ratings zu sogenannten Fallen Angels." Eine ganze Reihe großer Qualitätsunternehmen wie Ford und Renault sind ins Hochzinssegment abgerutscht. Eine Heraufstufung ist nicht in Sicht.

Die Renditeaussichten für europäische Hochzinsanleihen sind Gaiser zufolge gut: "Unserer Schätzung nach könnte der Gesamtmarkt eine Rendite von zirka 3,5 Prozent erzielen", sagt er. In dieser Prognose berücksichtigt er die aktuelle Rendite von etwas mehr als drei Prozent, den sogenannten "Roll-Down-Effekt" von Anleihen, die bereits vor längerer Zeit ausgegeben wurden, eventuelle Kreditausfälle sowie die Möglichkeit, dass die Risikoaufschläge im Zuge der Konjunkturerholung leicht zurückgehen. Gaiser ist überzeugt: "Dem Hochzinsmarkt steht ein gutes Jahr bevor." (fp)