Das war wohl nix: Nach einem herben Rückschlag im ersten Quartal notiert der Goldpreis wieder dort, wo er zu Jahresbeginn stand. Laut Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch handelte es sich um den schwächsten Jahresauftakt seit fast vier Jahrzehnten. Die darauffolgende Erholung genügte bislang gerade einmal, um das katastrophale erste Quartal auszugleichen. Bis Jahresende dürfte der Goldpreis allerdings spürbar zulegen, prophezeit Fritsch: Von derzeit rund 1.866 US-Dollar auf 2.000 US-Dollar. Grund dafür seien die steigenden Inflationssorgen.

Gold wieder so teuer wie zu Jahresbeginn (Preis in US-$ je Feinunze)

Quelle: Commerzbank Research

Die laufende Preiserholung seit Anfang April führt der Commerzbank-Experte auf mehrere Faktoren zurück. Da ist zunächst die Schwäche des Greenbacks, die Gold traditionell nützt. "Der Einbruch des Bitcoin-Kurses in der zweiten Maihälfte dürfte Gold ebenfalls zugutegekommen sein, da Gold und Bitcoin in mancher Hinsicht in Konkurrenz zueinander stehen und Gold durch den vorherigen Höhenflug der Kryptowährung in die Defensive gedrängt worden war", sagt Fritsch. Der dritte Preistreiber für das Edelmetall sind die deutlich gestiegenen Inflationserwartungen.

Wertspeicher dringend gesucht
Die Inflationsrate in den USA stieg von 1,4 Prozent zu Jahresbeginn auf 2,6 Prozent im März, gefolgt von 4,2 Prozent im April und schließlich beachtlichen fünf Prozent im Mai. "Höher war sie zuletzt im Sommer 2008, nachdem die Ölpreise auf fast 150 US-Dollar gestiegen waren", sagt Fritsch. Die Kerninflation, also die Teuerung ohne Nahrungsmittel und Energie, stieg im Mai sogar auf das höchste Niveau seit 29 Jahren. Zinserhöhungen sind derweil nicht in Sicht. Die Realzinsen, also die Zinsen nach Abzug der Inflation, liegen zwischen minus zwei und minus vier Prozent. Für Gold in seiner Funktion als Schutz gegen Kaufkraftverlust sei das "ein geradezu perfektes Umfeld", so Fritsch. (fp)