Der Preis für eine Feinunze Gold ist im Juni auf ein Sechs-Jahres-Hoch gestiegen. Mit 1.270 Euro notierte das gelbe Metall zwischenzeitlich so hoch wie zuletzt im Mai 2013. Zum Allzeithoch aus dem Jahr 2012 fehlen nur noch 110 Euro. In anderen wichtigen Währungen, etwa in australischen Dollar, markierte Gold bereits neue historische Höchststände. Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass sich die Rally fortsetzt, schreibt die Commerzbank in ihrem aktuellen Rohstoff-Bericht. "Die anhaltend niedrigen Zinsen und die zahlreichen politischen Risiken dürften die Investmentnachfrage weiterhin anschieben", heißt es darin.

EZB-Präsident Mario Draghi und der Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, haben die Tür für Zinssenkungen jüngst weit aufgestoßen. Die Europäische Zentralbank dürfte den Einlagezins schon im Juli weiter in den negativen Bereich senken, prognostizieren die Analysten. Für die USA rechnen die Marktbeobachter bis zum Jahresende mit Zinssenkungen. Als Konsequenz sind die Anleiherenditen sowohl in den USA als auch in Europa stark gefallen, viele Papiere notieren mittlerweile sogar im Minus. "Gold als zinslose Anlage gewinnt durch die Negativzinsen an Attraktivität", meint Commerzbank-Edelmetall-Profi Carsten Fritsch.

Politisches Ungemach begünstigt Goldpreis
Hinzu kommen die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die Sorgen vor einer militärischen Auseinandersetzung schüren. Ein weiterer Krisenherd ist der ungelöste Handelskonflikt mit China. "Trump könnte jederzeit erneut mit weiteren Strafzöllen drohen, wenn die kommenden Gespräche nicht in seinem Sinne verlaufen sollten", so Fritsch.

Auch in Europa begünstigt politisches Ungemach den Goldpreis. Zwar haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs nach langem Ringen darauf verständigt, wer die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Juncker und EZB-Präsident Draghi antreten soll. Ob das Europäische Parlament dem Vorschlag zustimmen wird, ist allerdings weiterhin unsicher. "Wird die jetzige IWF-Chefin Lagarde wie vorgesehen neue Präsidentin der EZB, dürfte sie die ultralockere Geldpolitik ihres Vorgängers aller Voraussicht nach fortsetzen", schlussfolgert Fritsch. (fp)