Die Nachricht über die Zahlungsschwierigkeiten des Containeranbieters P&R verunsichern Anleger und Finanzberater. Viele fragen sich, ob der Containermarkt erneut in eine Krise abrutscht. Zur Erinnerung: 2015 und 2016 brachen die Preise und Leasingraten für Container dramatisch ein. Die Hersteller und Vermieter der Stahlkisten mussten massive Verluste einstecken. Die Marktteilnehmer haben unmittelbar darauf reagiert, indem sie fast keine neuen Container bestellt und so für eine Verknappung der Kapazitäten gesorgt haben.

Neue Boxen kosten wieder richtig Geld
Im zweiten Halbjahr 2016 begann sich der Containermarkt zu erholen. Diese Entwicklung setzte sich 2017 fort. Die Preise für fabrikneue Container sind kräftig gestiegen, was zu einem Teil auf einen höheren Wareneinsatz und zu einem anderen Teil auf eine höhere Nachfrage zurückzuführen ist. Die Auslastung der weltweiten Container-Flotte lag 2017 bei sehr guten 96 Prozent. Ein neuer 20-Fuß-Standardcontainer kostete laut "Drewry Maritime Research" im Jahresdurchschnitt 2.200 US-Dollar. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2016 waren die Preise für dieselbe Box auf 1.300 US-Dollar eingebrochen.

Im vorigen Jahr wurden neue Container im Umfang von 3,7 Millionen TEU produziert. Davon gingen 1,7 Millionen an Reedereien und andere Transportunternehmen. Die anderen zwei Millionen wurden von Leasinggesellschaften abgenommen. Unter Berücksichtigung der Ausmusterung alter Boxen ist die gesamte Container-Flotte weltweit um 3,6 Prozent auf 39,2 Millionen TEU gewachsen. Diese Steigerungsrate liegt im langjährigen Durchschnitt, und der zunehmende Bedarf hängt unter damit zusammen, dass die Containerschiff-Flotte trotz Krise in den vergangenen Jahren sehr viel größer wurde.

Mieter müssen mehr bezahlen
Die Containerpreise und die höhere Nachfragen wirken sich positiv auf die Leasingraten aus. Der Branchendienst "Drewry" berichtet, dass sie bei einem fünf Jahre laufenden Mietvertrag für eine neuen 20-Fuß-Standardcontainer im vierten Quartal bei 0,56 US-Dollar pro Tag lag. Im Jahresdurchschnitt betrug die Leasingrate 0,55 US-Dollar. Gegenüber 2016 sind die Mieten folglich um 57 Prozent gestiegen. Anders gesagt: Der Bruttomietertrag ist bei den neuen Containern von 8,5 Prozent (2016) auf 9,1 Prozent gestiegen. Allerdings liegt der Markt noch hinter den historischen Spitzenwerten, die in den Boomphasen bei zirka 14 Prozent lagen.

"Drewry" rechnet mit einem Rückgang der Neuproduktion im ersten Quartal 2018, wobei die ersten beiden Monate eines neuen Jahres traditionell etwas schwächer sind. Das gilt für weite Teile der maritimen Wirtschaft. Die Containerpreise sollen laut Prognose „stabil“ bleiben, obwohl die Preise für den Cortenstahl zuletzt in die Höhe schossen. Außerdem rechnen die Analysen im Moment mit relativ festen Mietpreisen. (ae)