Die durchschnittliche Renditeerwartung von Privatanlegern liegt satte 173 Prozent über der von Finanzprofis. Das ergibt eine weltweite Umfrage des Vermögensverwalters Natixis Investment Managers. Befragt wurden 8.550 Privatanleger mit einem investierbaren Vermögen von jeweils mehr als 100.000 US-Dollar. Sie erwarten eine langfristige reale, also inflationsbereinigte Rendite von 14,5 Prozent, während Finanzprofis 5,3 Prozent für realistisch erachten. Deutsche Privatanleger geben sich mit zehn Prozent vergleichsweise bescheiden.

Hintergrund des mentalen Höhenflugs: Die durchschnittliche Anlagerendite von 11,2 Prozent im vergangenen Jahr hat viele Investoren optimistisch gestimmt. Selbst eine erhöhte Volatilität kann ihre Zuversicht nicht dämpfen. Rund 68 Prozent der weltweit Befragten halten Marktschwankungen von bis zu zehn Prozent für normal, in Deutschland sind es gar drei Viertel. Fast 70 Prozent der deutschen Anleger betrachten Schwankungen als Chance und sind mehrheitlich bereit, für höhere Gewinne auch höhere Risiken einzugehen. Etwas widersprüchlich: Auf die Natixis-Frage, ob man sich bei der Geldanlage im Zweifel sicherheits- oder renditeorientiert verhalten würde, votierten zugleich drei Viertel der Befragten für Sicherheit.

Finanzberater müssen Erwartungen managen
Grund für den verblüffenden Optimismus selbst in einem schwankungsreichen Umfeld sei der sogenannte "Recency Bias", erklärt Sebastian Römer, Leiter des Natixis-Geschäfts in Mittel- und Osteuropa. "Viele haben im vergangenen Jahr unter schwierigen Bedingungen gute Renditen erzielen können und erwarten in dem sich in diesem Jahr verbesserten Umfeld noch höhere Ergebnisse", sagt er – und bemüht sich, diese Erwartung zu dämpfen: Momentan seien noch höhere Renditen "nicht wahrscheinlich".

Anleger sollten "die Bodenhaftung nicht verlieren und sorgfältig abwägen, welche Ergebnisse sie vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Risikotoleranz realistischerweise erreichen können", mahnt Römer. "Ansonsten ist eine gewisse Enttäuschung am Ende programmiert." Finanzberater sollten die Einstellung ihrer Kunden hinterfragen und sie für alternative Marktszenarien sensibilisieren. (fp)