Die Zinsen für Bau- und Hypothekendarlehen sind zuletzt leicht gestiegen. Das liegt unter anderem daran, dass Banken wegen der unsicheren Wirtschaftsaussichten durch die Corona-Pandemie Risiken neu bewerten, erklärt Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender des Baufinanzierungsspezialisten Dr. Klein. Mittelfristig könnten die Zinsen "in einem sehr überschaubaren Rahmen" zwar weiter klettern, schätzt er. Teuer wird es dadurch für Häuslebauer aber noch lange nicht: "Auch dann wird sich das Zinsniveau immer noch auf einem im historischen Vergleich absolut günstigen Niveau bewegen."

Hauptgrund für die dauerhaft guten Konditionen bei Immobilienkrediten ist Deutschlands hervorragende Bonität. Die Renditen deutscher Bundesanleihen sind der Haupteinflussfaktor für die Höhe der hiesigen Bauzinsen. Zwar dürfte sich die Bundesrepublik im Zuge der Coronakrise stärker verschulden. Eine höhere Schuldenlast wird die Kreditwürdigkeit Deutschlands aber kaum belasten, sagt Neumann: "Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern oder großen Wirtschaftsnationen ist eine Verschuldung von 80 oder 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts noch relativ gering."

Baufinanzierung kann auch mit Kurzarbeit klappen
Ein weiterer Grund, warum Baufinanzierungen trotz Corona günstig bleiben dürften ist die Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank hat ein neues Anleihekaufprogramm gestartet, um den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie entgegenzutreten. Damit wirkt sie steigenden Zinsen entgegen, erklärt der Dr.-Klein-Chef.

Der Hauskauf kann trotz niedriger Zinsen allerdings für einige zum Problem werden – etwa, wenn angehende Immobilienbesitzer plötzlich in Kurzarbeit geschickt werden. "Eine Baufinanzierung ist aber auch mit Kurzarbeitergeld auf den Kontoauszügen unter bestimmten Voraussetzungen möglich", sagt Neumann. "Das gilt vor allem für diejenigen, die die Monatsrate auch mit reduziertem Gehalt tragen können – oder deren Vermögen im Hintergrund einen ausreichenden Puffer bietet, diese Zeit zu überbrücken." (fp)