China hat just seine Wirtschaftsdaten für das dritte Quartal veröffentlicht. Demnach wuchs die Wirtschaft des Landes in diesem Zeitraum gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent. Für China ist das relativ wenig – zudem ist umstritten, wie verlässlich die offiziellen Zahlen sind. Letztlich sei die Frage, um wie viel Prozent Chinas Wirtschaft gewachsen ist, allerdings die falsche, sagt Bo Bejstrup Christensen, Chefanalytiker bei Danske Invest. Man sollte besser fragen: Was genau wächst eigentlich in China?

Das "alte China" ist in Schwierigkeiten, erläutert der Danske-Experte. Zum "alten China" gehören der Baubereich, die Schwerindustrie und exportorientierte Unternehmen. Die Bautätigkeit stagnierte nach 15 Jahren ständigen Wachstums in den vergangenen zwei Jahren, im ersten Halbjahr 2015 war sie sogar rückläufig. "Die Schwerindustrie leidet unter der geschwächten Bautätigkeit und unter der Kampagne der Regierung gegen Korruption und Umweltverschmutzung", so Christensen. Zudem zeigten die traditionellen Exportmärkte Chinas bis vor kurzem ein relativ schwaches Wachstum. "Einige Bereiche des alten Chinas befinden sich also tatsächlich in Rezession, andere können gerade noch ein Nullwachstum aufrechterhalten, und manche erleben ein sehr schwaches Wachstum."

Boom bei Logistik und Dienstleistungen
Das "neue China" zeigt ein anderes Bild. Es besteht unter anderem aus Internetunternehmen, Online-Händlern, grüner Energie, Verkehrswesen, Logistik, Unterhaltungsindustrie, Reiseunternehmen und dem Export moderner Technologie. "Hier sehen wir in einigen Bereichen zweistellige Zuwachsraten und teilweise sogar einen regelrechten Boom", sagt Christensen. So seien während der letzten nationalen Urlaubswoche die Kinoeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent gestiegen. Im Bereich Logistik habe sich die Anzahl der in Festlandchina ausgelieferten Expresspakete von 2009 bis 2014 mehr als versechsfacht. Vor allem der Dienstleistungssektor wachse rasant.

Insgesamt erwartet Danske Invest für China in den kommenden zwei bis drei Jahren ein Wirtschaftswachstum von sechs bis sieben Prozent. "Kurzfristig rechnen wir mit einer leichten Erholung des alten Chinas, da der Immobilienmarkt wieder leicht und Infrastrukturinvestitionen stark zulegen werden", sagt Christensen. "Langfristig sind dies jedoch die Bereiche, die vor den größten Problemen stehen." Dagegen erwartet der Danske-Experte weiter starke Zuwächse für das "neue China". (fp)