Die Europäische Zentralbank (EZB) ist von ihrem Inflationsziel von zwei Prozent noch immer weit entfernt. Abgesehen von den niedrigen Energiepreisen stehen ihr nach Einschätzung von Bo Bejstrup Christensen, Chefanalyst bei Danske Invest, zwei Faktoren im Weg: Erstens die viel zu hohe Arbeitslosigkeit. "Sie führt dazu, dass die Löhne auf niedrigem Niveau stagnieren und mancherorts sogar rückläufig sind", sagt Christensen. Die zweite Herausforderung ist der Umstand, dass die Inflation über einen längeren Zeitraum hinweg niedrig war. "Dementsprechend haben sich Privathaushalte und Unternehmen darauf eingestellt, was die Tendenz der Inflation quasi festschreibt."

Die EZB muss die Wirtschaft so sehr anschieben, wie sie nur kann, stellt Christensen fest. Er geht davon aus, dass EZB-Chef Mario Draghi seine Geldpolitik im März weiter lockern wird. Noch wichtiger sei allerdings, dass die Notenbank eine erneute Bankenkrise auf alle Fälle verhindert. "Werden die Banken erneut ausgebremst, werden alle Hoffnungen der EZB auf eine Inflationsrate von zwei Prozent zunichte gemacht", so der Analyst. Er stellt klar: "Je mehr die Märkte die Banken unter Druck setzen, desto stärker muss die Reaktion der Notenbank sein."

EZB muss über ihren Schatten springen
Europas Banken leiden derzeit unter den niedrigen Zinsen. "Das könnte dadurch abgemildert werden, dass die EZB ein Stufensystem für Einlagenzinsen einführt, wie man es beispielsweise in Dänemark oder Japan gemacht hat", sagt Christensen. Dabei wird eine Untergrenze für die negativen Zinsen festgesetzt, die Banken für ihre Einlagen bei der Zentralbank zahlen müssen. Die EZB hat das immer abgelehnt. "Aber je negativer die Zinsen ausfallen, desto mehr gerät sie in dieser Frage unter Druck." Entscheidend sei noch etwas anderes: Die EZB muss bei einem Stillstand der Finanzmärkte Unternehmensanleihen kaufen – auch solche, die von Banken ausgegeben werden. (fp)