Aktien zu kaufen fällt den meisten Menschen schon schwer genug. Doch die eigentliche Königsdisziplin ist der rechtzeitige Verkauf von Anteilscheinen. Eine passende Gelegenheit dazu dürfte es schon bald geben, meint Bo Bejstrup Christensen.

Auch wenn es derzeit an den Märkten relativ ruhig zugeht, spätestens im Sommer könnte es laut dem Chefanalytiker bei Danske Invest wieder hektischer werden. Die Marktteilnehmer preisen derzeit lediglich Risiken wie einen Brexit, eine mögliche Verschärfung der Flüchtlingskrise oder die politischen Unwägbarkeiten, die ein US-Präsidentenwahlkampf birgt, ein.

"Nach diesen offensichtlichen, aber schwer quantifizierbaren Risiken können wir unseren Investmentprozess nicht ausrichten, aber je positiver die Stimmung an den Finanzmärkten ist, desto anfälliger sind sie für negative Schlagzeilen", erklärt Christensen. 

China hat zu viele Probleme
Chinas Lockerungsmaßnahmen würden nach Einschätzung Christensens nicht ewig anhalten. Es handle sich um eine mittelfristige Konjunkturspritze, deren Wirkung später wieder verpufft. Die Schuldenberge wachsen erneut zu stark, und die niedrigeren Anzahlungsanforderungen an Immobilienkäufer ziehen heute Käufer an, die morgen fehlen.

Je mehr das Wachstum in den kommenden Monaten anzieht, desto eher besteht laut Christensen das Risiko, dass es später wieder nachlässt: "Speziell den Immobilienmarkt betrachten wir nach wie vor mit Skepsis. Es gibt immer noch viel zu viele unverkaufte Immobilien, und ein erneutes Wachstum bei Neubauten ist unhaltbar. Deshalb kann China zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr durchaus für negative Überraschungen sorgen."

Finger auf dem Verkaufsknopf
Eine rechtzeitige und gut getimte Schließung von hohen Aktienpositionen sei in den kommenden Wochen voraussichtlich sinnvoll, da die aufkeimende positive Stimmung rund um China die Rohstoffpreise stark in die Höhe treiben werde. "Deshalb sind steigende Rohstoffpreise für uns unhaltbar. Deutlich höhere Ölpreise ebenfalls, da sie die notwendigen Anpassungen in der Produktion verhindern", erklärt Christensen. 

Insbesondere bei der amerikanischen Zentralbank erwartet Danske Invest eine Wende. "Im Gegensatz zu Janet Yellen sehen wir klare Anzeichen für ein steigendes Lohnwachstum, und wenn sich unsere Erwartungen bewahrheiten, wird der Arbeitsmarkt noch mehr unter Druck geraten. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Fed dieses Jahr die Zinsen erneut erhöhen wird", erklärt Christensen. Auch wenn das vor dem Hintergrund eines höheren US-Wirtschaftswachstums geschähe, könnten globale Aktien eine Kombination aus einem potenziell rückläufigen chinesischen Wachstum, fallenden Rohstoffpreisen und steigenden US-Zinsen nur schwer verdauen. (aa/ps)