Dax-Kursziel angehoben: Chefvolkswirt sieht noch Luft nach oben
Trotz struktureller Probleme sprechen die robuste Gewinnentwicklung der Unternehmen, bessere Konjunkturdaten und positive Frühindikatoren für weiteres Potenzial. Deshalb hebt der Chefökonom der Bank M.M. Warburg das Jahresendziel für den Dax an.
Die Perspektiven für den deutschen Aktienmarkt haben sich aufgehellt. Trotz hoher Energiekosten, strukturellen Reformbedarfs und der Schwäche wichtiger Industriezweige verbesserten sich laut Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg & Co., die konjunkturellen Daten zuletzt spürbar. Auch die Unternehmensgewinne überraschten positiv. Aus dem Grund hebt der Ökonom sein Jahresendziel für den deutschen Aktienindex Dax von 26.000 auf 27.500 Punkte an.
Am Freitag (28.8.) hatte der Dax mit 26.618,74 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht, bis Montagmittag (31.8.) sank er indes unter die Marke von 26.400 Zähler.
Gewinne entwickeln sich besser als erwartet
Ein wichtiger Punkt sind für Klude die Gewinne: "Die Berichtssaison für das zweite Quartal ist deutlich besser ausgefallen als noch vor einigen Monaten erwartet", so der Chefvolkswirt. Nicht nur in den USA, auch in Europa legten die Gewinne der Unternehmen im Stoxx 600 kräftig zu – im Schnitt um fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch bei den Dax-Unternehmen habe sich das Bild aufgehellt. Nach drei schwächeren Jahren werde für 2026 und 2027 jeweils ein Gewinnwachstum von rund 15 Prozent erwartet. "Entscheidend ist dabei vor allem, dass die Phase sinkender Gewinnerwartungen offenbar vorerst beendet ist", erläutert Klude.
Deutsche Wirtschaft gewinnt an Schwung
Auch konjunkturell gebe es positive Signale. "Nach Jahren der Stagnation wächst die deutsche Wirtschaft wieder", so der Chefökonom. Zwar seien die strukturellen Probleme gerade in der Automobilindustrie und im Maschinenbau weiter vorhanden, dennoch würden die aktuellen Daten robuster ausfallen als erwartet. Klude: "Wir erhöhen deshalb unsere Prognose für das reale BIP-Wachstum 2026 von 0,8 auf 1,3 Prozent. Das wäre der stärkste Zuwachs seit 2019. Unterstützung kommt sowohl vom Export als auch von den höheren staatlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur." Dazu passen die jüngsten Frühindikatoren. Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat sich etwa im August deutlich erholt.
Dax-Ziel steigt auf 27.500 Punkte
Für den Dax sieht er die bessere Konjunktur in Deutschland gleichwohl nur als einen Teil der Geschichte. "Die 40 Unternehmen im Leitindex erwirtschaften den Großteil ihrer Umsätze und Gewinne im Ausland. Entscheidend bleibt daher das globale Umfeld", so der Ökonom. Dass sich die Weltwirtschaft trotz geopolitischer Unsicherheiten bislang vergleichsweise robust entwickelt, komme den deutschen Großunternehmen zugute. Gleichzeitig erscheine die aktuelle Gewinnerwartung für die Dax-Konzerne inzwischen belastbarer als noch vor einigen Monaten.
In Summe führt das zur deutlichen Erhöhung des Jahreskursziels von 26.000 auf 27.500 Punkte, so der Bank-Volkswirt: Bei einem angenommenen konstanten Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 15 würde das keine zusätzliche Ausweitung der Bewertung bedeuten, sondern sei vor allem ein Reflex auf die höheren Gewinnschätzungen.
Langfristiger Trend bleibt intakt
Auch über das laufende Jahr hinaus bleiben die Perspektiven für Klude grundsätzlich positiv. Historisch betrachtet lagen die langfristigen jährlichen Renditen großer Aktienindizes im hohen einstelligen Prozentbereich. Beim Dax beträgt das geometrische Mittel der vergangenen 30 Jahre circa 8,3 Prozent. "Setzt man für die kommenden Jahre eine durchschnittliche Wertentwicklung von rund acht Prozent an, könnte der Dax bis 2030 auf etwa 37.000 Punkte steigen", so Klude. Voraussetzung sei allerdings, dass es bis dahin zu keiner ausgeprägten Rezession kommt. (jh)














