Die Covid-19-Pandemie scheint allmählich unter Kontrolle zu sein: In immer mehr Ländern gehen die Infektionszahlen zurück, einige Staaten haben bereits Lockerungen der Maßnahmen verkündet. Trotzdem geht Alexander Roose von DPAM nicht davon aus, dass die Märkte die Pandemie-Panik bereits hinter sich lassen können: "Das Verbrauchervertrauen wird aufgrund der gleichzeitigen Wirkung steigender Gesundheitskosten und einer geringeren Kaufkraft, letztere vor allem verursacht durch die schwere Rezession im beschäftigungsintensiven Dienstleistungssektor, stark beeinträchtigt werden." Daher sei zu erwarten, dass sich die Verbraucher beim Konsum weiterhin zurückhalten werden, sobald die Sperren aufgehoben sind.

Viele Experten fürchten außerdem eine zweite Infektionswelle im Herbst und warnen davor, dass das Risiko steigt, sobald die Reisebeschränkungen gelockert oder vollständig aufgehoben werden. Hinzu kommt, dass die tatsächlichen Folgen der Pandemie für die Wirtschaft weiterhin unklar sind. "Die wirtschaftlichen Schäden sind beispiellos. Da die Berichtssaison für das erste Quartal vor der Tür steht, könnte bald mehr Klarheit über die tatsächlichen Auswirkungen dieser Krise auf Unternehmensgewinne und -verluste beziehungsweise die Bilanzen bestehen und die Marktteilnehmer dementsprechend zu einer vorsichtigeren Haltung veranlassen" sagt Aktienexperte Roose. Insgesamt rechnet er langfristig nicht mit einer V-förmigen, sondern vielmehr mit einer U-förmigen Erholung an den Börsen.

Eine neue Ära für die Fiskalpolitik
Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008/09 ist die aktuelle Situation nicht systemisch begründet. Parallelen zu der aktuellen Situation zu ziehen, kann zu Trugschlüssen führen. "Die Banken sind besser kapitalisiert, und die zuständigen Behörden sind mit ihrer Geld- und Fiskalpolitik stärker am Ball", analysiert Roose. Die Coronakrise sei ein Katalysator für die Einleitung einer radikalen Fiskalpolitik, die sich an der linksgerichteten Politik der westlichen Welt orientiert. "Unkonventionelle fiskalische Maßnahmen könnten dazu beitragen, die wachsende Ungleichheit zu bewältigen", sagt der Aktienexperte.

Aktuell werden immer mehr Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen zurückgestellt, da der gesellschaftliche Druck zunimmt, Unternehmens-Cashflows von den Aktionären abzuziehen. "Auch Steuergerechtigkeit und gerechte Bezahlung von Arbeitnehmern sind politische Themen, die eine breitere Unterstützung finden werden.", sagt Roose. Bei der Investition in Unternehmen müsse diese Dynamik bei der Titelauswahl sowohl aus fundamentalen als auch aus Nachhaltigkeitsgründen längerfristig berücksichtigt werden. (fp)