In der Investment-Welt lassen sich im Grunde vier verschiedene Anlageumfelder identifizieren, sagt Peter De Coensel, Investment-Chef von Degroof Petercam Asset Management (DPAM). Zwischen 2009 und 2019 befanden sich die Märkte in einem "disinflationären Boom", mit extrem niedrigen Zinsen und kaum vorhandener Inflation. "Die klaren Gewinner waren Investoren, die sich in Wachstumsunternehmen mit Preissetzungsmacht eingekauft haben", sagt De Coensel. Value-Investoren standen auf der Verliererseite. "Da der Marktzins unter dem natürlichen Zins lag, nahm die Fehlallokation von Kapital zu."

Mit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie im ersten Quartal dieses Jahres sind die Märkte im "disinflationären Zusammenbruch" begriffen. "Anleger sollten in dieser Situation sichere Staatsanleihen kaufen und halten und risikoreiche Anlagen verkaufen", rät der Investmentprofi. Die Gewinner-Aktien der vorangegangenen Phase dürften ihren Siegeszug fortsetzen. Die Kapital-Fehlallokation aus den vergangenen Jahren gerät in diesem Umfeld allmählich ins Rutschen: "Eine hohe Selektivität unter den Risikoaktiva wird gute von schlechten Ergebnissen trennen, wobei die Letzteren jedoch die Ersteren überwiegen werden", prophezeit der DPAM-Experte.

Rückkehr der Inflation
Die Finanzpolitik drängt die Märkte über kurz oder lang in die nächste Phase, erklärt De Coensel unter Verweis auf die Theorien des französischen Unternehmers und Investors Charles Gave: die "inflationäre Krise". Diese Phase, in der die Teuerung mit Macht zurückkehrt, könnte in den Jahren 2022 und 2023 eintreten, schätzt er. Bargeld wird dann Trumpf, inflationsgeschützte Anleihen sind die zweitbeste Wahl. 

Schließlich folgt der "inflationäre Boom". "In dieser Periode werden wir auf einen Wachstumspfad einschwenken, der das Niveau von Ende des Jahres 2019 übertrifft", so De Coensel. Die Preise von Immobilien, Rohstoffen und Gold dürften neue Höchststände erreichen, zudem lohnen sich Aktien dann wieder mehr als Anleihen. (fp)