Regierungen und Notenbanken pumpen immer mehr Geld in den Markt, um die finanziellen Einbußen von Unternehmen und Einzelpersonen in der Corona-Krise auszugleichen – das beflügelt auch die Goldnachfrage. "Am 8. Mai 2020 hielten die Gold-ETFs und -ETCs weltweit 3.407,4 Tonnen des gelben Metalls. Das war ein Rekordwert", sagt Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel. "Investoren befürchten, dass die stark steigenden Geldmengen die Güterpreise auf breiter Front in die Höhe treiben und die Kaufkraft des Geldes herabsetzen werden", erklärt er.
 
Um sich vor diesem Effekt zu schützen, greifen die Investoren auf das Edelmetall zurück. "Die weltweit fallenden Kapitalmarktzinsen üben einen wichtigen Einfluss auf die Goldnachfrage aus. Wenn der Marktzins null ist, entgehen dem Goldhalter keine Erträge mehr, die er andernfalls mit dem Halten von zum Beispiel Bankguthaben und kurzlaufenden Schuldpapieren erzielen könnte", erläutert Polleit. Bei negativen Marktzinsen werden Gold-Investments noch attraktiver. "Aus heutiger Sicht hat der Goldpreis ein beträchtliches Aufwärtspotenzial von etwa 17 Prozent. Eine Eskalation der Krise über den aktuellen Stand hinaus ist dabei nicht einmal eingerechnet", so Polleit.
 
Auch der Silberpreis profitiert
Ein weiter steigender Goldpreis hat höchstwahrscheinlich auch einen positiven Effekt auf den Wert von Silber. "Früher oder später folgt der Silberpreis dem Goldpreis, und auf Phasen, in denen der Silberpreis hinter dem Goldpreis zurückgeblieben ist, folgen häufig Phasen, in denen der Silberpreis überproportional stark steigt", erläutert Polleit. Genau diese Situation deute sich bereits an, und Anleger, die mit einem steigenden Goldpreis rechnen, hätten gute Gründe zumindest einen Teil ihrer Edelmetall-Anlage auch in Silber zu halten. (fp)