Die Weltwirtschaft zeigt sich zum Jahreswechsel 2025/26 bemerkenswert stabil – trotz tiefgreifender geopolitischer, technologischer und demografischer Veränderungen. Vor diesem Hintergrund rechnet die Deka für die kommenden zwei Jahre mit einem moderaten, aber stetigen Weltwirtschaftswachstum. Aber so ruhig wie es aussieht, dürfte es nicht sein: "Während die Weltwirtschaft mit einem Wachstum von etwa drei Prozent erstaunlich stabil bleibt, sehen wir unter der Oberfläche einen tiefgreifenden Strukturwandel, der Gewinner und Verlierer hervorbringt", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Geopolitische Konkurrenz prägt Weltwirtschaft
Die Neuausrichtung der Weltwirtschaft gehe von den zwei größten Volkswirtschaften der Welt, den USA und China, aus. Beide sehen sich in einer geopolitischen Wettbewerbssituation, in der es gilt, die eigene Position zu stärken, so die Deka-Volkswirte. Gleichzeitig treiben technologische Innovationen, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), Investitionen und Produktivitätssteigerungen voran.

In den kommenden Jahren bleibe die Technologie wohl ein bedeutender Wachstumstreiber, Unternehmen würden mit KI teilweise bereits hohe Cashflows erzielen. "Die Wucht dieser Impulse wird in den gesamtwirtschaftlichen Daten schon heute sichtbar", stellt Kater heraus, ergänzt aber gleichzeitig: "Wir halten viele gegenwärtige Produktivitätsverheißungen durch KI in den Wirtschaftsprozessen für übertrieben."

Deutschland hinkt hinterher
Mit Blick auf Deutschland sagt der Deka-Chefvolkswirt: "Forschung und Entwicklung findet in Deutschland auf Weltniveau statt, die Umsetzung von neuen Techniken in Marktprodukte liegt jedoch fest in den Händen der USA." Seit ihrem Hochpunkt im Jahr 2018 sei die Industrieproduktion in Deutschland um fast 20 Prozent gesunken und die Marktanteile der Unternehmen auf den weltweiten Exportmärkten seien im Durchschnitt aller Branchen um 15 Prozent zurückgegangen.

Die Kapitalmärkte zeigen sich in dem Umfeld zunehmender geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten bemerkenswert robust. Besonders die US-amerikanischen Börsen heben sich durch die starke Performance der Technologie- und Plattformunternehmen hervor. "Die Mag 7, die großen Technologieunternehmen der USA, spielen weiterhin in einer eigenen Liga. Ihre Gewinne haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als versiebenfacht, und sie treiben die Entwicklung der Märkte maßgeblich voran", so Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Dekabank. Anzeichen für eine entstehende Blasenbildung seien zwar vorhanden, die außerordentlich hohe Profitabilität der "Mag 7" erlaube es ihnen jedoch, ihre Investitionen von den hohen Niveaus weiter zu steigern.

Gute Aussichten für Asiens Börsen
Auch die asiatischen Märkte würden eine zunehmende Dynamik zeigen, insbesondere durch das Thema KI und die Halbleiterindustrie. In Europa hingegen bleibe die Situation herausfordernd. Regulatorische Belastungen und unvorteilhafte Entscheidungen auf politischer und Unternehmensebene setzen demnach vor allem Branchen wie die Chemie- und Automobilindustrie unter Druck, während die Anpassung an die neue geoökonomische Realität Zeit benötigt.

Trotz der Herausforderungen der neuen Geoökonomie bleibt der Ausblick der Deka für die Kapitalmärkte in den kommenden Jahren konstruktiv. "Die Rahmenbedingungen erlauben ein gut diversifiziertes Portfolio aus Aktien und Anleihen. Stabilität sollte durch eine dosierte Immobilienbeimischung ergänzt werden, und auch Gold gehört weiterhin in ein ausgewogenes Anlageportfolio", fasst Schallmayer zusammen. (jh)