Viele Marktbeobachter befürchten, dass mit dem Ende der Pandemie in diesem Jahr eine Inflationswelle auf die Wirtschaft zukommt. Der Grund: Wenn die Wirtschaft wieder geöffnet wird, könnte ein immenser aufgestauter Konsum- und Investitionsbedarf auf teilweise verminderte Kapazitäten treffen und die Preise steigen lassen. Tatsächlich könnte dies im Sommer durchaus für einige unangenehme Monatsanstiege des Preisniveaus führen, schreibt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).  "Aber aus ein paar Zahlen wird noch keine Inflation", sagt der Wirtschaftsexperte. 

Eine Inflation sei ein dauerhafter Prozess von Preissteigerungen, in denen eine Spirale von höheren Preisen und Erwartungen auf noch höhere Preise in Gang komme, und dies in der Breite der Wirtschaft, so dass auch die Löhne beeinflusst würden. "So weit sind wir noch lange nicht", sagt Kater. "Angesichts der Unterauslastung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt fällt es schwer, sich bereits dieses oder nächstes Jahr eine solche Spirale vorzustellen." 

Keine Entwarnung
Gleichzeitig sei eine größere Veränderung des Inflationsrahmens auf lange Sicht wahrscheinlich. Dazu könnten im kommenden Jahrzehnt vor allem demographische Entwicklungen mit noch stärkeren Knappheiten am Arbeitsmarkt und einer geringeren Nachfrage nach Vermögensgütern beitragen. "Notenbanken sollten ihre Instinkte gegenüber Inflationsgefahren nicht verkümmern lassen, und die Finanzpolitik muss der Senkung der öffentlichen Schuldenlasten in den Jahren nach Corona eine Top-Priorität einräumen", sagt Kater. (fp)