Der unberechenbare Verlauf des Handelskonflikts zwischen China und den USA schürt an den Märkten die Angst vor einer Rezession. Als Konsequenz könnte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) demnächst den Leitzins senken. Daran glaubt Deka-Investment-Chef Stefan Keitel jedoch nicht: Er geht davon aus, "dass wir lediglich eine Konjunkturdelle erleben und keine Rezession", sagte er im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". 

Sollte sich der Handelskonflikt nicht weiter verschärfen, sei eine Zinssenkung nicht nötig. "Wenn der Zollstreit auf dem aktuellen Niveau verbleibt, kostet er nur wenig Wachstum", ist Keitel überzeugt. Er rechnet sogar mit einer erneuten Leitzinserhöhung im Jahr 2020, wenn sich der Streit weiter beruhigt. Die Weltkonjunktur sei relativ stabil und US-Präsident Trump zudem an guter wirtschaftlicher Entwicklung interessiert, um bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zu punkten. Das alles spricht laut Keitel für eine Leitzinserhöhung.

Politik der Fed verzerrt Zinsstrukturkurve
Anfang Juni hatte US-Notenbankchef Jerome Powell angekündigt, auf den Handelskonflikt angemessen reagieren zu wollen. Marktteilnehmer werteten das als Signal für eine baldige Leitzinssenkung. Der Deka-Investment-Chef geht jedoch davon aus, dass die Fed damit auf die Vorwürfe reagiert, die Zinsen zu lange erhöht zu haben. Die Notenbankpolitik verzerre die Zinsstrukturkurve – sie spiegele die Konjunkturerwartungen deshalb nicht realistisch wider. (fp)