Jan Schildbach von der Research-Einheit der Deutschen Bank bemängelt den Finanzplatz Deutschland aufgrund einer Reihe von Defiziten. Das berichten die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und die "Börsen-Zeitung". Er sieht dringenden Handlungsbedarf und beklagt, dass wohl kein anderes großes Land seine Bankenbranche derart tatenlos verkümmern ließe wie die Bundesrepublik. Das fange schon bei der Aufsichtsbehörde an: Die personelle Aufstellung der Bafin müsse grundlegend geändert werden, da zu viele Juristen und Fachfremde in den höheren Rängen säßen. Auch den Behördenstandort Bonn hält der Analyst für zu weit entfernt vom eigentlichen Ort des Geschehens, Frankfurt.

Schildbach kritisiert außerdem das in drei Säulen aufgeteilte deutsche Bankensystem, das aus Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Banken besteht. Dem Analysten wäre eine Privatisierung der beiden ersteren Sektoren lieber. Das begründet er mit einem internationalen Vergleich: Deutsche Banken seien bei verschiedenen Kennziffern in Sachen Rentabilität Schlusslicht, verglichen mit anderen großen EU-Staaten. Privatisierung und Börsengänge haben laut Schildbach bereits Banken im Ausland zu mehr Profitabilität verholfen.

Wenig Hoffnung auf Wahl
Auch die deutsche Unternehmensteuer in Höhe von 30 Prozent sei für heimische Institute ein klarer Standortnachteil, moniert der Finanzprofi. Der internationale Durchschnitt liege bei 22 Prozent. Auch Steuern auf Kapitalerträge sieht Schildbach kritisch. Diese würden Sparern falsche Anreize setzen. Dabei sei es gerade im Negativzinsumfeld wichtig, eine kapitaldeckende Altersvorsorge und eine Aktienkultur zu fördern, zitiert ihn die FAZ. Im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl sieht Schildbach wenig Grund zur Hoffnung auf Besserung – dazu spiele Finanzpolitik eine viel zu geringe Rolle. Außerdem sei die Kompromissbereitschaft zwischen den Parteien zu gering. (fp)