In die Reihe jener, die über zunehmende Inflationsrisiken nachdenken, reiht sich das Wealth Management der Deutschen Bank ein: "Wir glauben, dass die Inflation über zwei Prozent hinausschießen könnte. Die Zentralbanken werden das akzeptieren, weil sie Sorge haben, dass sie bei einem zu frühen Reagieren einen Aufschwung abdämpfen könnten", sagte Chefstratege Markus Müller bei einer Online-Veranstaltung. Je nach Region seien auch Teuerungswerte von drei Prozent möglich.

Die Inflation werde jedoch nicht dauerhaft hoch sein. Zu berücksichtigen sei, dass bei der Teuerung heuer Basiseffekte zum Tragen kommen: Der besonders tiefe Ölpreis im Vorjahr oder temporäre Corona-Maßnahmen, wie die zu Jahresbeginn ausgelaufene Mehrwertsteuersenkung in Deutschland, sorgen dafür, dass die Preissteigerung heuer optisch verhältnismäßig hoch erscheint. Die steigende Inflation sei eher als Signal in Richtung Normalisierung zu werten, so Müller.

Chancen in US-Aktien und Schwellenländern
Für die Anleger erwartet Müller heuer die höchsten Chancen in Segmenten wie dem US-Aktienmarkt. Er prognostiziert der Nation, die ein Corona-Stimulus-Paket von knapp 30 Prozent des BIP lanciert hat, in einer konservativen Schätzung ein BIP-Wachstum von fünf Prozent. Das Corona-Paket der EU liege hingegen weit unter fünf Prozent des BIP. Die Erholung werde hier schleppender vonstatten gehen. Dennoch bleibe Europa interessant, weil hier die Stimuli auf mehrere Jahre abzielen würden, während das US-Hilfspaket eher einen kurzen Boost der Ökonomie auslöse, so Müller.  

Die Deutsche Bank nimmt für die Eurozone heuer ein BIP-Plus von nur 3,5 Prozent an, während Großbritannien mit plus 4,5 Prozent, China mit knapp neun Prozent oder Indien mit elf Prozent deutlich stärker wachsen. Vor allem Schwellenländer müsse man als Anleger im Auge behalten so Müller: Vier der fünf größten Volkswirtschaften sollen gemessen an der Kaufkraftparität im Jahr 2024 aus Asien kommen. Die Rangordnung soll dann so aussehen: China vor den USA, Indien, Japan und Indonesien. (eml)