Wegen der Drosselung der russischen Gaslieferungen stehen die europäischen Volkswirtschaften einem neuen Schock gegenüber. Davor warnen mit klaren Worten die Analysten der Deutschen Bank. Sie sehen eine umgehend drohende Rezession in Deutschland und die Gefahr einer ausufernden Teuerung.

"Sollten die russischen Erdgaslieferungen nach Abschluss der Wartungsarbeiten von Nord Stream 1 (ab dem 11. Juli für zehn Tage) nochmals deutlich sinken oder schlimmstenfalls sogar versiegen, würde Deutschland unweigerlich in eine tiefe Rezession stürzen", so die Volkswirte der Bank. In einem solchen Schock-Szenario dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits im Jahresdurchschnitt 2022 sinken. "Ebenso dürfte die Verbraucherpreisinflation regelrecht durch die Decke gehen."

Inflation über zehn Prozent befürchtet
Die Bank verwies auf die jüngste Warnung des Chefs der Bundesnetzagentur, die Gasrechnungen der Haushalte könnten sich "verdoppeln bis verdreifachen".

Sollte die Bundesnetzagentur eine erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimporte feststellen und die Preisanpassungsklausel im Energiesicherungsgesetz aktivieren, könnten die Versorger die Teuerung beim Energieeinkauf umgehend weitergeben. "In einem solchen Fall könnte die Inflationsrate schon in den kommenden Monaten über die Zehn-Prozent-Marke klettern", so die Deutsche Bank. 

Weitere Schwächung des Euro möglich
Mit anhaltenden Engpässen bei der Gasversorgung und Energierationierungen bestehe deutliches Abwärtspotenzial beim Euro-Wechselkurs zum Dollar, so die Analysten.

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat die Bevölkerung bereits auf ein extrem negatives Szenario eingestimmt. Er hatte die Risiken durch die Gaskrise mit den Verwerfungen verglichen, die im Jahr 2008 die Lehman-Pleite auslöste. (eml)