Rund um das Thema Wohnen und Mieten kochen immer wieder die Emotionen hoch. Kann sich der Großteil der Deutschen bald keine Wohnung in einer Großstadt mehr leisten? Wahrscheinlich doch – und zwar sogar eine größere als früher. Aus einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, über die unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet, geht hervor, dass die Belastung durch Mietkosten in den vergangenen Jahren in der Tendenz gesunken ist. Der Grund: Die Einkommen sind noch stärker gestiegen als die Mieten, jedenfalls im Mittel. Im Jahr 2010 betrug die durchschnittliche "Mietbelastungsquote" in Großstädten 31,5 Prozent. So groß war der Anteil des verfügbaren Einkommens, den Haushalte für die Kaltmiete aufwenden mussten. Heute liegt diese Quote im Mittel bei 29,8 Prozent.

Die oft vernommenen Klagen über "Mietwucher" sind also differenziert zu betrachten. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) kam kürzlich zu ähnlichen Ergebnissen wie die Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung. In einem Punkt gelangen die gewerkschaftsnahen Studienautoren indes zu einem anderen Fazit als das IW: Laut Letzterem geben 34 Prozent der Mieter rund ein Drittel ihres Einkommens für die Kaltmiete aus – eine Quote, die oft als kritische Grenze herangezogen wird. Der Studie des Hans-Böckler-Instituts zufolge sind es 49 Prozent. Die Studienautoren warnen vor einer zunehmenden Polarisierung der Wohnsituation zwischen Arm und Reich. Bei ärmeren Haushalten liegt die "Mietbelastungsquote" oft besonders hoch, wohlhabendere Haushalte geben dagegen prozentual gesehen deutlich weniger Geld fürs Wohnen aus.

Häuser werden erschwinglicher
Nicht nur Mieter, auch Hauskäufer in Deutschland haben – jedenfalls im statistischen Mittel – trotz des langjährigen Immobilienbooms kaum Grund zur Klage. Zwar müssen sie für ein Eigenheim heute rund 60 Prozent mehr Geld auf den Tisch legen als vor 25 Jahren. Das Nettoeinkommen ist im selben Zeitraum allerdings um 125,8 Prozent gestiegen, zeigt der "Erschwinglichkeitsindex" des Portals Kreditvergleich.net. Je höher der Indexwert, desto mehr Immobilie können Deutsche sich für ihr Einkommen leisten. Steigt die Kurve nach oben, sind die Einkommen in Relation zu den nominalen Kaufpreisen gestiegen. Auch wenn der Erschwinglichkeitsindex seit 2011 einem durchweg fallenden Trend folgt, bewegt er sich weiter auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Unterm Strich und real gerechnet bedeutet das nicht anderes, als dass Immobilienkäufer sich heutzutage rund 41 Prozent "mehr Haus" leisten als Mitte der 1990er Jahre. Anders in einigen anderen Ländern: In Luxemburg können sich Hauskäufer heute 62 Prozent weniger Immobilie leisten als vor zweieinhalb Jahrzehnten. Die Einkommen konnten dort mit den Immobilienpreisen nicht annähernd Schritt halten. (fp)