Die Deutschen haben traditionell ein inniges Verhältnis zu Bargeld. Gerade in Krisenzeiten überkommt sie der Wunsch, ihr Vermögen in den Händen zu halten. So ist es auch in Zeiten von Corona: In der Eurozone nahm der Bargeldumlauf im März um etwa 100 Milliarden Euro zu, zeigt eine Analyse des Beratungsunternehmens Barkow Consulting in Zusammenarbeit mit dem Bankhaus ING, die dem "Tagesspiegel" vorliegt. Etwa 30 Milliarden davon führen die Autoren direkt auf die Pandemie zurück.

Insgesamt standen Ende Juli in der Eurozone Scheine und Münzen im Gegenwert von 1,378 Billionen Euro aus, heißt es in der Analyse. Ende 2017 waren es nur 1,17 Billionen. Auch die Menge an Bargeld, die in Schubladen, auf dem Dachboden oder unter der Matratze schlummern, wächst immer weiter. 253 Milliarden Euro waren es Ende 2019, die die Bundesbürger gehortet haben. Das waren 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Schnitt lagert damit jeder Deutsche mehr als 3.000 Euro zu Hause oder in Bankschließfächern. Zur Begründung heißt es bei Barkow Consulting, Bares gelte mittlerweile zunehmend als eigene Sparform, während es als Zahlungsmittel – gerade auch wegen Corona – immer mehr an Bedeutung verliere.

Die Gründe für das Horten hat 2018 auch die Bundesbank. in einer Umfrage herauszufinden versucht. Die meisten Befragten nannten das sehr niedrige oder teils sogar negative Zinsniveau als Hauptgrund. Weitere Argumente waren Notvorräte in einem Zahlungsmittel, die Sorge um ein Technikversagen in der Bargeldversorgung und der Glaube, dass Bargeld gebührenfrei aufbewahrt werden könne. Für einen Teil der Bargeld-Horter spielt auch die Angst vor Banken- oder Staatspleiten eine Rolle, ein kleiner Teil will auch Geld vor der Familie oder dem Staat verstecken. 

Cash bleibt beliebt
Nach Zahlen der Europäischen Zentralbank hätten Bürger zuletzt zwar einige Bargeld-Bestände seien wieder aufgelöst worden. Ein Grund dafür könnte aber auch die laufende Urlaubssaison sein, für die Geldreserven angezapft würden, zitiert die Zeitung Peter Barkow, Geschäftsführer von Barkow Consulting. Aus seiner Sicht spricht wenig dafür, dass Cash seine Bedeutung als Sparform und Werterhaltungsobjekt verlieren könnte. (fp/ps)