Länder wie Norwegen und Singapur machen es vor: Sie unterhalten Fonds, die Geld im Auftrag des Staates investieren. Auch Deutschland könnte von einem öffentlich organisierten Geldtopf profitieren, ist Andreas Schyra, Vorstand der Private Vermögensverwaltung AG in Essen, überzeugt. Jetzt wäre die richtige Zeit dafür, einen solchen Fonds ins Leben zu rufen, sagt er. Die aktuelle Krise biete die Möglichkeit, Anteile an Unternehmen zu kaufen, die nur wegen der Pandemie in eine missliche Situation geraten sind. "Ein Beispiel ist die Lufthansa", so Schyra. Er fordert: Die Bundesregierung sollte die Krise als Chance begreifen und bei der Fluggesellschaft und anderen Konzernen als Aktionärin einsteigen.

Ein Staatsfonds nach norwegischem Vorbild könnte zur Lösung gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen beitragen, meint der Vermögensverwalter "Soziale Herausforderungen, welche einer langfristigen Unterstützung bedürfen, gibt es hierzulande zahlreiche", betont er. Als Beispiele nennt er die Vermögenssicherung für künftige Generationen und die Finanzierung von Sozialleistungen sowie des Gesundheits-, Pflege- und Rentensystems. "Der Fonds könnte in ausgewählten und eindeutig definierten Problembereichen unterstützen", sagt Schyra.

Steht Bürokratie der sozialen Marktwirtschaft im Weg?
Die Auflage eines Staatsfonds müsste nicht im luftleeren Raum geschehen: Der Anlageprofi weist darauf hin, dass Deutschland mit der KfW bereits über eine Art Quasi-Staatsfonds verfügt. Die Förderbank könnte parallel zu einem neuen Fonds bestehen bleiben. Auch die 2017 gegründete öffentlich-rechtliche Stiftung zur Finanzierung der Endlagerung des radioaktiven Atommülls (Kenfo) ist strenggenommen ein Staatsfonds, wenn auch mit einem sehr eng gefassten Zweck. 

Die Auflage eines weiteren, mit breiteren Kompetenzen ausgestatteten Vehikels müsste zeitnah betrieben werden, um die günstigen Bedingungen zu nutzen, sagt Schyra. "Leider ist zu befürchten, dass die vorherrschende Bürokratie in Deutschland dieser Idee im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft im Wege stehen wird", bedauert er. (fp)