Im ersten Halbjahr konnten sich Aktienanleger über satte Kursgewinne freuen. Seit Jahresmitte hat sich das Umfeld eingetrübt: Der Dax und der Dow Jones stagnieren, der S&P 500 ist seitdem nur um magere drei Prozent gestiegen. In vielen Schwellenmärkten ging es zuletzt sogar abwärts. Grund für die Flaute an den Börsen ist laut Bantleon-Chefvolkswirt Daniel Hartmann die Aussicht auf einen Herbst mit hohen Corona-Infektionszahlen und weiteren Lockdowns. Neue Fiskalpakete, die die wirtschaftlichen Folgen einer erneuten Zwangspause abfedern könnten, sind – außer in Japan – nicht in Sicht.

Faktoren, die die Märkte anschieben könnten, gibt es derzeit keine offensichtlichen. Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank (EZB) wollen jedenfalls trotz der grassierenden Delta-Variante des Coronavirus an ihren Plänen festhalten, die vorsehen, den Umfang ihrer Anleihenkäufe allmählich zu reduzieren. "Alles in allem stottert die Konjunktur, während gleichzeitig die Makro-Politik in Deckung geht", urteilt Hartmann. "Der Rückenwind für Aktien hat fraglos nachgelassen."

Großer Rücksetzer ist unwahrscheinlich
Für eine Marktkorrektur ist die Lage allerdings nicht dramatisch genug, sagt der Bantleon-Ökonom: "Hierzu müssten sich weltweit Rezessionsängste breitmachen." Hartmann schließt zwar nicht aus, dass der konjunkturelle Abwärtstrend an Dynamik gewinnt. Eventuelle Lockdowns im Winter könnten sich als Brandbeschleuniger erweisen, warnt er. Aber: "Wahrscheinlicher ist, dass sich die Lage in den kommenden Monaten beruhigt."

Die steigenden Impfquoten und rückläufigen Neuinfektionszahlen machen Hartmann Hoffnung. "Sobald die Pandemie abebbt, werden Unternehmen und Privathaushalte schnell wieder Vertrauen zurückgewinnen", prophezeit er. Die prall gefüllten Sparkonten vieler Bürger in Europa und in den USA dürften dann zwecks Investitionen angezapft werden. Hartmanns Prognose: "Die Weltwirtschaft sollte in der Folge einen Zwischenspurt einlegen, der die Aktienmärkte nochmals beflügelt." (fp)