Notenbanken und Regierungen pumpen immer mehr Geld in die Wirtschaft, um die negativen Effekte der Pandemie abzufedern. Irgendwann dürften dadurch die Verbraucherpreise steigen. Silvia Dall'Angelo, Ökonomin bei Federated Hermes, drückt es so aus: "Die Fiskalpolitik ist mittel- und langfristig klar inflationär ausgerichtet." Trotzdem könnten höhere Teuerungsraten auf sich warten lassen, schätzt sie. Denn eine expansive Geld- und Fiskalpolitik genügt möglicherweise nicht, um dem langfristigen Disinflationsdruck entgegenzuwirken.

Gegen steigende Verbraucherpreise spricht vor allem, dass die Nachfrage durch die Corona-Pandemie einen massiven Dämpfer bekommen hat und noch eine ganze Weile nicht wieder auf Vorkrisenniveau liegt. Bis alle Bürger, die in der Krise ihren Job verloren haben, wieder in Lohn und Brot stehen und ihren gewohnten Konsum wieder aufnehmen, könnte es sogar Jahre dauern, prophezeit Dall'Angelo. Allein in den Vereinigten Staaten haben im bisherigen Verlauf der Coronakrise rund zehn Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren.

Gemischtes Bild
Die Ökonomin sieht indes auch einige Argumente für eine steigende Inflation. So könnte unter anderem ein anziehender Ölpreis die Teuerung anheizen – vor allem in Kombination mit einem schwächeren US-Dollar. Auch Nachholeffekte, wenn die Pandemie unter Kontrolle ist, sind denkbar. "Möglicherweise verlieren die Verbraucher ihre Sensibilität gegenüber Preisen, wenn sie Erfahrungen und Aktivitäten nachholen, die ihnen während des Lockdowns gefehlt haben", mutmaßt Dall'Angelo. Die Ersparnisse, die ein Teil der Verbraucher in der Krise angehäuft haben, könnten dann die Nachfrage steigern.

Insgesamt sieht die Federated-Hermes-Expertin in puncto Inflation ein gemischtes Bild. "Einige disinflationäre Kräfte, wie Demografie und Automatisierung, werden voraussichtlich weiter wirken. Andere Einflussfaktoren könnten sich wandeln", sagt sie. "Dazu zählen die Globalisierung, das Kräfteverhältnis zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern, die Umverteilungspolitik sowie die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken." (fp)