Zu Jahresbeginn kaufen manche Anleger Aktien, die im Vorjahr schwach abgeschnitten haben. In der Vergangenheit war eine solche antizyklische Strategie oft eine gute Idee, sagt Frank Wieser, Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement mit Sitz in Düsseldorf. Ob sie in der aktuellen Marktphase aufgeht, ist seiner Einschätzung nach aber mehr als fraglich. "Corona hat zu einem atypischen Konjunkturzyklus geführt, in dem sich die Nachfragemuster erheblich geändert haben", sagt er. "Es wird seitens der Verbraucher kein Zurück in die alte Welt geben."

Klassischerweise müssten antizyklische Investoren jetzt auf konjunktursensible Industriewerte setzen. Das würde aber voraussetzen, dass der kommende Wirtschaftsaufschwung nach alten Mustern verläuft. Wieser ist sich sicher: "Das ist auszuschließen." Er geht davon aus, dass das weltweite Wirtschaftswachstum in der kommenden Zeit asynchron verlaufen wird, weil sich die Nachfragemuster der Verbraucher verschoben haben. Statt auf einen Industrie-Aufschwung sollten Anleger eher auf eine Konsumrally setzen, rät der Vermögensprofi. Denn viele Verbraucher dürften sich nach der Pandemie etwas gönnen und größere Ausgaben tätigen.

Beimischung ja, Kerninvestment nein
Aktien, die jetzt zu den Nachzüglern gehören, dürften weiterhin am Ende der Performance-Liste rangieren, glaubt Wieser. Er prophezeit zwar eine gewisse Erholung bei einigen Werten, etwa bei der Lufthansa- und der TUI-Aktie. "Überflieger werden diese Titel aber nicht werden", sagt er. Wer sich unbedingt die Verlierer des vergangenen Jahres ins Depot holen will, sollte das erst tun, wenn die Impfkampagnen weiter fortgeschritten sind und sich die Wirtschaft stärker stabilisiert hat, rät der Vermögensverwalter. "Als Beimischung sind sie dann geeignet", sagt er. Investoren sollten aber nicht ihre komplette Anlagestrategie nach den Verlierer-Aktien ausrichten. (fp)